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1:0-Sieg gegen Tottenham

Reisen an traditionsreiche Stätten haben selbst für Profis noch etwas Magisches. Vor Leverkusens Gastspiel in London hatte Rudi Völler den Mythos von Wembley noch einmal beschworen. Als Bundestrainer gewann Bayers Sportchef mit Deutschland 2000 das letzte Spiel vor dem Abriss des alten Stadions (1:0). Der Mann weiß also, wovon er spricht, wenn er von der besonderen Aura dieses besonderen Ortes schwärmt.

Bis an der White Hart Lane die neue Spielstätte von Tottenham Hotspur fertiggestellt ist, trägt der Premier Klub seine Heimspiele in der Königsklasse am heiligsten Ort des Fußballs aus. Am Ende eines unterhaltsamen Abends stand fest: Auch das 1:0 (0:0) der Leverkusener im vierten Gruppenspiel der Champions League wird als historisch in die Annalen eingehen.

Nicht nur, weil die rund 2100 mitgereisten Fans der Werkself halfen, den Besucherrekord für ein Heimspiel eines englischen Klubs von zuvor 84.596 (im September gegen Monaco) auf 85.512 Zuschauer zu erhöhen. Die Leverkusener feierten dank des Treffers von Kevin Kampl auch noch den verdienten ersten Sieg in der Königsklasse, der den Abend auch aus sportlicher Sicht perfekt machte. Trainer Roger Schmidt, der mit seiner Mannschaft am Mittag im Regent’s Park inmitten der Stadt trainierte, konnte wieder auf seine gewohnte Innenverteidigung mit Ömer Toprak und Jonathan Tah setzen.

“Wir können den Abend nur genießen, wenn wir guten Fußball spielen”, sagte der 49-Jährige im Vorfeld. Das schien seine Mannschaft beherzigen zu wollen, die aggressiv begann und mutig nach vorne spielte. Das Pressing der Leverkusener setzte Tottenham gehörig unter Druck, das viel Zeit mit Verteidigen zubrachte – aber trotzdem immer dann Gefahr erzeugte, wenn es gegen zu weit aufgerückte Gäste schnelle Konter fahren konnte. Das machte dieses Spiel zu einer munteren, aber zunehmend immer zerfahrener werdenden Partie, in der Bayer in der 42. Minute die beste Chance durch Chicharito hatte. Der Schuss des Mexikaners, der in seinem 50. Champions-League-Spiel bemüht aber glücklos wirkte, fälschte Jan Vertonghen im letzten Moment ab. Im Gegenzug erkannte Schiedsrichter Joans Eriksson zunächst einen Treffer von Dele Alli wegen eines Fouls ab, ehe er Bayer nach einem strittigen Handspiel von Vertonghen einen Strafstoß verweigerte.

Nach der Pause drückten zunächst die Engländer, die durch Kyle Walker eine gute Gelegenheit ausließen. Im richtigen Moment aber gaben die Leverkusener in Person von Kevin Kampl die passende Antwort. Mit etwas Glück fiel dem Slowenen nach einem Schuss von Aránguiz der Ball vor die Füße, aus sechs Metern traf er zur Führung – und stieß damit das Tor zum Achtelfinale ein Stück weiter auf. Glück hatte Bayer in der Schlussphase, dass der Freistoß von Dier an die Latte und Davies’ Schuss neben das Tor gingen.

Torschütze Kampl musste in der 85. Minute wegen einer Fußverletzung ausgewechselt werden. Er habe Schmerzen, sagte Kampl nach dem Spiel, aber alles andere überwiege. “Hier in Wembley das Siegtor geschossen zu haben, ist etwas Besonderes. Ich kann diese Nacht vor Aufregung sicher nicht einschlafen”, sagte der Slowene.

Article source: http://www.rp-online.de/sport/fussball/bayer-04/in-wembley-platzt-fuer-bayer-04-leverkusen-endlich-der-knoten-aid-1.6369005