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2:0-Erfolg gegen Nordirland

Will Grigg ist bestimmt noch immer Feuer und Flamme für sein Nordirland. Aber gestern hatte er keine Zeit. Für die Dienstreise nach Hannover hat er sich abgemeldet. Er hat zurzeit Wichtigeres zu tun, gemeinsam mit seiner Freundin kümmert er sich um sein Baby.

So war es beim WM-Qualifikationsspiel am Abend wie bei der gesamten Europameisterschaft im vergangenen Sommer in Frankreich. Grigg spielte nicht, aber der EM-Hit “Will Grigg’s on fire” bleibt ein Fußball-Hit. Nicht nur die stimmgewaltigen nordirischen Fans sangen ihn, auch ein paar deutsche Fußballfreunde sangen mit – wie bereits am Vorabend in der Altstadt von Hannover.

Spaß am Spiel hatten dann vor allem die Anhänger des Gastgebers. Die DFB-Auswahl gewann auch ihr drittes WM-Qualifikationsspiel. Nach dem 2:0 geht es zum letzten Gruppenspiel des Jahres im November nach San Marino. Der Weltmeister versprühte nicht den Glanz der Partie gegen die Tschechen am vergangenen Samstag. Er hatte diesmal auch keinen Gegner, der seiner Spielweise entgegen kam. Die Nordiren stellten fünf Mann in der Abwehr auf eine Linie, manchmal rund 40 Meter vor dem eigenen Tor die restliche Feldspieler-Besatzung. Es schien schwierig, sich in diesem Dickicht von Abwehrbeinen zurechtzufinden. Aber das schien nur so.

Nach ein paar Minuten schon war Mario Götze mit einem Kopfball nach Flanke von Thomas Müller an einer fantastischen Parade von Nordirlands Torwart Michael McGovern gescheitert. Und es dauerte nicht einmal eine Viertelstunde bis zur Führung. Die Deutschen zogen das Tempo kurz an, Müller bediente Julian Draxler, und der traf von der Strafraumgrenze mit einem Flachschuss genau neben den Pfosten.

Der Plan von Nordirlands Trainer Michael O’Neill, möglichst lange ein torloses Unentschieden zu halten, war früh durchkreuzt. Das Tor zeigte Wirkung. Als sich die Gäste wohl noch fragten, wie der Rückstand zustande gekommen sein mochte, da legten die Deutschen bereits nach. Eine Flanke von Mesut Özil nach einer kurz ausgeführten Ecke verlängerte Mats Hummels mit dem Kopf auf Sami Khedira, der schon schwierigere Aufgaben in seinem Fußballleben bewältigen musste, als diesen Ball aus Nahdistanz über die Linie zu bringen.

Mit dem 2:0 im Rücken demonstrierte die DFB-Auswahl ihre große Ballsicherheit, sie offenbarte gegen die weiterhin allein auf Konter spielenden Nordiren allerdings auch einige Anfälle von Leichtfertigkeit. So ganz auf der Rechnung hatten sie nicht, dass Mannschaften von den Inseln jenseits des Ärmelkanals erst dann die Arbeit einstellen, wenn sie wieder im Teambus sitzen. Trotzdem hatte die Elf von Bundestrainer Joachim Löw natürlich die Spielkontrolle. Sie trat in ihrer taktischen Aufstellung ähnlich an wie gegen die Tschechen. Im Ballbesitz, also fast ständig, schoben die Außenverteidiger bis in die Außenstürmerposition vor, und über die Flügel hielten die Deutschen das Spiel breit. Die Stürmer Thomas Müller und Julian Draxler tauchten dadurch oft in der Mitte auf. Bitter nötig, weil dort Götze dringend Unterstützung gegen die langen Verteidiger brauchte. Götze bewegte sich zwar gut, hatte aber auch unglückliche Momente. Das fiel angesichts der Führung aber nicht so sehr ins Gewicht.

Für die Akzente im deutschen Spiel sorgte vor allem Toni Kroos, der den Rhythmus mit seinen Pässen bestimmte. Nach dem Seitenwechsel durfte Ilkay Gündogan auch mal auf der Özil-Position im vorderen Mittelfeld ran. Das allein zeigt, über was für ein Luxus-Aufgebot Löw verfügt. Das dürfte wohl auch Will Grigg daheim so anerkannt haben.

Quelle: RP