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BVB-Trainer Tuchel – "Wir waren ein Angriffs

So richtig glücklich war nur einer. Pierre-Emerick Aubameyang lächelte im Kabinengang fast im Kreis. “Es war wichtig, mit einem Sieg zu starten”, sagte der Torjäger in Diensten Borussia Dortmunds nach dem mühevollen 2:1-Sieg gegen Mainz. 

Aber es war ein Sieg, zu dem der Gabuner beide Tore beigesteuert hatte. Eines per Kopf nach einer kurz ausgeführten Ecke und einer Flanke von 30-Millionen-Zugang André Schürrle, und eines kurz vor Schluss per Elfmeter, nachdem Schürrle gefoult worden war. Aubameyang verkürzte den am Vorabend eröffneten Wettstreit der Torjäger, den Bayern Münchens Robert Lewandowski nach dem 6:0 gegen Bremen nun mit 3:2 anführt. “Er hat mir gestern ein wenig Inspiration gegeben”, sagte Aubameyang. “Das Rennen ist eröffnet.”

Noch Luft nach oben

Vielleicht ist es das einzige um eine Trophäe, das in dieser Saison spannend wird. Anders als der FC Bayern ist Borussia Dortmund nämlich noch weit von seiner bestmöglichen Verfassung entfernt. Der runderneuerte BVB (fünf der achten Zugänge durften von Beginn an spielen oder wurden eingewechselt) wird noch Zeit brauchen, um die Bayern ernsthaft herausfordern zu können. Das Passspiel stockte zu sehr. Aus der Zentrale mit Gonzalo Castro und Sebastian Rode kam zu wenig Initiative. “Wir haben uns schwer getan, zu kombinieren, wir haben nicht die Struktur und die Räume gefunden”, sagte Thomas Tuchel bei der Pressekonferenz und erkannte eine gewisse Nervosität zum Bundesliga-Start. Während des Spiels hatte er oft vehement versucht, dies zu korrigieren.

Die Gäste waren in den Zweikämpfen stets sehr präsent und verstanden es gut, die Räume zu schließen. In der ersten Halbzeit brachten sich die Mainzer oft im Dortmunder Strafraum in gefährliche Positionen, waren dort aber zu harmlos im Abschluss. Mainz-Trainer Martin Schmidt lobte seine Spieler: “Wir haben aus dem Spiel heraus gegen eine Angriffs- und Passmaschine verteidigt und durch zwei Standard-Tore verloren.” Tuchel korrigierte sein Gegenüber: “Es war heute eher ein Angriffs- und Passmaschinchen.” Er weiß: Er hat noch viel zu tun.

Hitzeschlacht in Dortmund

Automatismen greifen noch nicht, der BVB nahm im heiß-schwülen Stadion vor 81.360 Zuchauern zu selten Tempo auf, und das hemmte das Zusammenspiel der hochtalentierten und mit enorm viel Qualität besetzten Dortmunder Mannschaft. “Das 2:1 ist für uns das perfekte Ergebnis, um alles weiter einzuschleifen”, sagte Tuchel, der auf den verletzten Marco Reus, den angeschlagenen Mario Götze, auf Olympia-Medaillengewinner Sven Bender und Matthias Ginter, und auf die nicht berücksichtigten Nuri Sahin und Zugang Mikel Merino verzichtete.

Dennoch hatte das Dortmunder Publikum eine neue Attraktion zu bestaunen: Der erst 19 Jahre alte Ousmane Dembelé versetzte mit immer wieder mit seinen temporeichen und schwer nachzuvollziehenden Dribblings Fans und Gegner in ungläubiges Staunen. Immer wieder ließ er mit großer Leichtigkeit mehrere Gegner auf einmal aussteigen, war oft nur durch Fouls zu stoppen. Dennoch führten die Aktionen zu oft ins Leere. “Wir müssen ihm unbedingt seine Freiheit und Kreativität lassen und ihn noch besser absichern. Aber wir müssen uns noch besser kennenlernen und wissen, wo und wann er ins Dribbling geht”, sagte Tuchel auf die Frage, ob er den jungen Franzosen denn bremsen müsse: “Auf keinen Fall. Wir müssen ihn in eine Struktur einbetten, um die Aktionen zu veredeln.”

Dembelé und Schürrle war es vorbehalten, für Tempo und Dynamik zu sorgen. Auch wenn der Weltmeister dazu zu selten in der Lage war. “Da ist noch viel Luft nach oben”, sagte Tuchel über seinen Lieblingsschüler. “Wenn man sieht, wie sehr er sich freut, dass Auba den Elfmeter reinschießt, dann erahnt man, wie gerne er für den BVB spielt, wie wohl er sich fühlt.” Sieben Torschüsse gab er ab, und legte für sieben Chancen auf. Und Schürrle selbst bekannte, nachdem er frisch geduscht aus der Kabine kam: “Ich hatte einige gute Aktionen und Torschüsse, ich habe mich wohl gefühlt, das ist das Wichtigste. Es hat Spaß gemacht. Und vorne mit der Qualität kann das richtig gut werden.”

Quelle: RP