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DFB buhlt um den Bundestrainer

Mehr Spiele als Helmut Schön, der legendäre “Mann mit der Mütze” und Weltmeister von 1974. So erfolgreich wie Sepp Herberger, der “Chef” und Vater des “Wunders von Bern”. Das ist doch was, oder? Als Joachim Löw am Rande der WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien und Nordirland damit konfrontiert wurde, dass er inzwischen auch statistisch gesehen zu den ganz großen Bundestrainern gehört, winkte er ab.

“An so was werde ich nur erinnert, wenn ich darüber lese oder darauf angesprochen werde”, sagte er in Hannover, “grundsätzlich bedeuten mir Statistiken nicht so viel.” Er zähle seine Siege, aber auch seine Niederlagen nicht. Doch es ist mehr als wahrscheinlich, dass Löw Fragen dieser Art noch öfter hören wird: Spätestens nach der WM 2018 in Russland wird er Rekordhalter Herberger auch in der Zahl der Länderspiele überholen.

Löws Vertrag endet zwar mit dem Weltturnier; doch sein noch vor Kurzem gezeigter Widerstand, diesen schon weit vorher zu verlängern, bröckelt. “Irgendwann mal jetzt”, werde er mit DFB-Präsident Reinhard Grindel über die weitere Zukunft sprechen, sagte Löw dieser Tage. Auch Grindel, für den Bundestrainer Löw “das Beste ist, was unserer Mannschaft passieren kann”, benutzte das Wort “jetzt” in seiner Ankündigung, die Vertragssache mit dem leitenden Angestellten besprechen zu wollen.

In Hamburg und Hannover entstand somit der Eindruck, als könne es nun recht schnell gehen – obwohl Löw betonte, dass er problemlos wie 2010 mit auslaufendem Vertrag in eine WM gehen würde. Eine Rückkehr in die Bundesliga schloss er aus. Ein Klub im Ausland könne ihn “zu einem gegebenen Zeitpunkt reizen”, sagte er. Löw aber ist nach der WM bereits 58 – ob sich dieser Zeitpunkt dann noch ergibt, ist zumindest fraglich.

Die Mannschaft, das darf angesichts der Aussagen in dieser Woche als gesichert gelten, wünscht sich eine Ausdehnung der Zusammenarbeit. “Uns allen gefällt es sehr gut, dass Joachim Löw Bundestrainer ist”, sagte Kapitän Manuel Neuer, “er ist immer mit der Moderne mitgegangen.” Viele Trainer blieben stehen, “aber er lässt immer neue Ideen einfließen und hat die Mannschaft in den letzten Jahren echt weitergebracht”.

Führungsspieler Sami Khedira verteidigte Löw gegen Kritik, der Weltmeister-Coach hätte es sich bequem gemacht in seinem Amt und mit dem Treffen erst am Mittwoch einen wertvollen Trainingstag verschenkt. Löw habe den beanspruchten Spielern “einen großen Gefallen getan”, sagte er. Überhaupt sei der Chef “ein positives Beispiel” für einen modernen Fußballtrainer, der nicht wie andere “stur an seiner Wissenschaft festhält”.

Ist die Verlängerung Formsache? “Ich habe die besten Erfahrungen damit gemacht, Jogi Löw in Ruhe seine Entscheidung reifen zu lassen”, sagte Grindel. Das Ergebnis will Grindel dann bekannt machen, “wenn wir einen Vertrag haben”. Etwas anderes ist nicht nur aus Sicht des Verbandes undenkbar.

(sid)