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Discounter

Vor gut zwei Jahren ist Karl Albrecht in Essen beigesetzt worden. In aller Stille, fernab der großen Öffentlichkeit, der sich der Aldi-Mitgründer und seine Familie in den Jahrzehnten zuvor ohnehin entzogen hatten. Ein Sinnbild für den Konzern. Aldi war (und da spielte die Unterscheidung in Aldi Nord und Aldi Süd nie eine Rolle) immer ein Gebilde, dem etwas Geheimnisvolles anhaftete – ein milliardenschweres Handelsimperium, aber außerhalb des Rampenlichts, ein Pionier des Discount-Handels, dessen öffentliche Wahrnehmung indes auf das Geschehen in den Filialen beschränkt blieb. Hin und wieder tauchten Karl Albrecht und sein vier Jahre zuvor gestorbener Bruder Theo in den Listen der Superreichen auf, aber das war’s dann auch.

Tiefgreifendster Wandel

Doch die Zukunft sieht anders aus. Mehr Öffentlichkeit, mehr Moderne, weniger Billigheimer – das ist die Strategie, die vor allem bei Aldi Süd immer sichtbarer wird. Es gibt seit Jahren eine Presseabteilung, ein Kundenmagazin, einen Facebook-Auftritt. Aber der Wandel, der sich jetzt anbahnt, ist wohl der tiefgreifendste in der deutschen Firmengeschichte – kaufmännisch, werblich, kulturell. Aldi Süd will nach Informationen unserer Redaktion im September eine umfassende Öffentlichkeits- und Marketingoffensive starten. Dazu sollen Fernsehspots, Social-Media-Kampagnen und die Vorstellung neuer Produkte gehören.

Eine Düsseldorfer Agentur soll den Auftrag bekommen haben, ist zu hören. “Aldi will sich öffnen, transparenter werden und strebt eine moderne Kommunikation auf allen Kanälen an”, sagt eine Person, die mit dem Vorgang vertraut ist. Geplant seien außerdem ein neues Babyportal, eine Bio-Offensive und weitere Markenartikel im Sortiment.

Neue Zeiten bei Aldi Süd, das bei angeblich mehr als 15 Milliarden Euro Umsatz die Erlöse der Schwester Nord um drei Milliarden Euro übertrifft. Ein Vorbild für den Wandel könnte Großbritannien sein: Als Aldi vor Jahren die Insel eroberte, gab es einen Werbeschub, öffentliche Auftritte des Managements, Details aus dem Privatleben der Unternehmensführung. Das britische Olympia-Team, aktuell die Nummer zwei im Medaillenspiegel, zählt Aldi zu seinen Sponsoren.

Für diesen Wandel steht auch Roman Heini, der Deutschland-Chef, früher in Großbritannien tätig. Ein Aldi-Eigengewächs, Sprecher des Verwaltungsrates und in seiner Extrovertiertheit immer noch etwas Besonderes im Aldi-Reich. Er hat das Konzept mit entwickelt, das seit März auch in Deutschland ausgelegt wird. Bis 2019 sollen mehr als 1800 Filialen modernisiert werden. Das heißt: wärmere Farben, Holzverkleidungen, Obst- und Gemüseregale wie ein Marktstand, Snackbereiche, Kaffeeautomat, Sitzgelegenheiten, Kundentoiletten. Keine Holzpaletten mehr.

Keine Holzpaletten mehr

Vieles davon kennt man aus den Supermärkten. Kein Wunder. Für viele Konsumenten ist der Preis nicht mehr das allein Seligmachende, sie wollen ein angenehmes Ambiente beim Einkauf. Deshalb verloren die Discounter in den vergangenen Jahren Marktanteile an klassische Supermärkte, die sie sich wieder zurückholen wollen. Der Kunde suche beim Einkauf Ruhe, Entschleunigung und ein schönes Ambiente – im Supermarkt wie beim Discounter, sagte Aldi-Geschäftsführerin Jeanette Thull im März bei der Präsentation der “Filiale der Zukunft” im bayerischen Unterhaching. Im Supermarkt wie im Discounter – die beiden Handelsformen wachsen stärker zusammen.

Quelle: RP