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Dortmund – Hertha 1:1

Vor 44 Jahren versammelten sich überschaubare 8000 Zuschauer im Stadion Rote Erde. Borussia Dortmund empfing an einem Freitagabend den 1. FC Kaiserslautern zum Bundesligaspiel. Im April 1972 war das. Es sollte die Saison mit dem schwächsten Zuschauerschnitt (18.118) der Dortmunder Vereinsgeschichte werden. Diese Tage sind längst gezählt. Mittlerweile spielt die Borussia nebenan im Westfalenstadion und schreibt mit ihrem Zuschauerzuspruch immer wieder neue Rekorde.

Am Freitag begrüßten die Dortmunder den insgesamt 40-millionsten Besucher – einmalig in Deutschlands höchster Fußball-Liga. Zusammen mit 80.799 weiteren Zuschauern sah der Rekordgast ein 1:1 im Spitzenspiel gegen Hertha BSC, das erst nach der Pause richtig Fahrt aufnahm. Die Borussia verpasste es damit, wieder an den Berlinern vorbei auf Tabellenplatz zwei zu ziehen.


Jarstein pariert Handelfmeter von Aubameyang

FOTO: dpa, jai

“Wir haben uns den einen Punkt verdient. Die Zuschauer haben ein tolles Spiel gesehen. Das war Männerfußball, viele Zweikämpfe – ich mag so etwas”, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai bei Sky. 

Viel wurde vor der Partie über Foulspiele geredet. Dortmunds Trainer Thomas Tuchel holte Statistiken hervor, um seine Aussagen, sein Team werde zu häufig irregulär gestoppt, zu belegen. Berlins Trainer Pal Dardai sah sich gezwungen, Tuchel zu entgegnen, das Fouls nun mal zum Fußballspiel gehören würden und er sich nicht so anstellen solle. Das wiederum brachte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dazu, Dardai nahezulegen, dass er sich doch lieber um sein Team kümmern solle. Somit waren die Augen gestern im Speziellen auf Patrick Ittrich und sein Schiedsrichtergespann gerichtet. Ittrich wurde aber zunächst kaum gefordert. Das lag vor allem daran, dass Hertha sehr gedankenschnell verteidigte. Zwei eng gestaffelte Viererketten und dazwischen in Niklas Stark ein Sonderbewacher für Mario Götze hielten das Spiel weit weg vom Berliner Tor.

Dortmund bot in dieser Saison häufig großen Fußballzirkus. In der ersten Halbzeit blieb dieser aber geschlossen. Auch wenn Dompteur Tuchel seine Mannen mit ausschweifender Zeichensprache zu animieren versuchte. Die Protagonisten hatten sich allem Anschein nach auf einen eher geruhsamen Arbeitstag eingerichtet. Götze gelang es nicht, seinen Bewacher abzuschütteln. Und die Außen Christian Pulisic und Emre Mor kamen über einen guten Angriff nicht hinaus: Flanke Pulisic, Volley Mor, drüber (7.).


7. Spieltag: Reaktionen

FOTO: dpa, jai

Die Hertha begnügte sich mit zwei, Kontern, begünstigt durch Fehler von Mikel Merino. Der 20-jährige Spanier rückte für den verletzten Sokratis in die Innenverteidigung – ein Debüt mit Licht und Schatten.

Nach dem Seitenwechsel zeigte Berlins Stürmer Vedad Ibisevic seine ganze Klasse. Mit einem feinen Hackenpass bereitete er das 1:0 durch Valentin Stocker vor. Nun wurden die Zuschauer für die langweilige erste Hälfte entschädigt. Der BVB entwickelte nun den nötigen Willen zum Offensivlauf. Tuchel brachte in Ousmane Dembele und Shinji Kagawa neue Kräfte. Alles lief nun auf ein Duell zwischen Pierre-Emerick Aubameyang und Rune Jarstein hinaus. Dreimal behielt der Berliner Torhüter im Eins-gegen-eins die Oberhand – sogar bei einem Handelfmeter (76.).  Vier Minuten später drückte der Gabuner den Ball dann zum verdienten Ausgleich über die Linie. Jetzt rückten auch Ittrich und sein Team in den Mittelpunkt. Nach einem Foul an Mor, stieß der Türke Übeltäter Sebastian Langkamp um und sah dafür die Rote Karte. Später sah auch Stocker Rot wegen rohen Foulspiels. “Ich habe mich anstecken lassen von der Stimmung. Es tut mir leid. Es war keine Rote Karte und entstand in der Hitze des Gefechts”, sagte Langkamp nach der Partie.

Der BVB drückte in aufgeheizter Atmosphäre aufs Siegtor, das aber nicht mehr fallen sollte.

(sid)