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Düsseldorf – NRW-SPD öffnet Tür zum G 9

In Nordrhein-Westfalen sollen Schüler die Wahl bekommen, ob sie das Abitur nach acht Gymnasialjahren (G 8) oder nach neun Jahren (G 9) schaffen wollen. Dies sieht ein einstimmig gebilligter Leitantrag der SPD-Spitze für den Landesparteitag vor, der am kommenden Samstag in Bochum stattfindet. Dem Papier zufolge bleibt ein Abitur nach acht Jahren zwar weiterhin möglich, doch ist G 8 nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Vor allem die Landeselternschaft hatte über die Verdichtung des Unterrichtsstoffes und den damit verbundenen Druck auf die Schüler geklagt. Die Initiative “G 9 jetzt” hatte im vergangenen Jahr dem Landtag 100.000 Unterschriften mit der Forderung nach Rückkehr zum G 9 vorgelegt.

Nun schlägt die SPD die Verlängerung der Sekundarstufe I an Gymnasien von fünf auf sechs Jahr vor – also bis einschließlich Klasse zehn. Die Klasse zehn soll zudem als Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe dienen. Dies sei nach den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz möglich, betont SPD-Vize Marc Herter. Künftig würden also alle Gymnasiasten regulär die Klasse zehn absolvieren. Abgänger hätten damit einen Schulabschluss, was bei der bisherigen Sekundarstufe I – sie endet mit Klasse neun – nicht der Fall ist.

Neu ist ein Orientierungsjahr, das sich an die Einführungsphase anschließen soll. Es dient der Förderung all jener Schüler, die sich noch nicht fit genug für den “Endspurt” in der Oberstufe fühlen und das Abitur nach insgesamt neun Gymnasialjahren anstreben. Hingegen haben leistungsstarke Schüler die Möglichkeit, nach Klasse zehn direkt in die zweijährige gymnasiale Qualifikationsphase zu wechseln, um nach acht Jahren Gymnasium das Abitur zu machen. Sie können das Orientierungsjahr allerdings auch zu einem Auslandsaufenthalt nutzen, wie dies vor Einführung von G8 noch möglich und beliebt war.

Mit dem Reformmodell, das im November dem Runden Tisch zu G 8/G 9 vorgelegt werden soll, wolle man den Kindern mehr Zeit geben und zugleich die Durchlässigkeit des Schulsystems erhöhen, sagte Parteivize Jochen Ott. Angestrebt sei ein “schlanker und klarer Umbau”; es werde “keine Experimente” geben. Dies wurde als Seitenhieb auf Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) verstanden, die zu Wochenbeginn mit ihrem Vorstoß für einen radikalen Umbau der Schullandschaft (“Jedem Kind seine Lernzeit”) auch beim Koalitionspartner für Unmut gesorgt hatte. “Die Schulen brauchen keine Verwirrung”, betonte auch Herter. Seinen Worten zufolge muss die Änderung behutsam erfolgen; keinesfalls solle sie schon zum Schuljahr 2017/18 wirksam werden. Herter: “Wir wollen nicht wieder in einen Schulkampf geraten.”

Die Grünen kritisierten den SPD-Vorstoß. Löhrmanns Vorschlag zur Flexibilisierung der Lernzeiten wage als einziger den Blick nach vorne, so Grünen-Landeschef Sven Lehmann. Die Schulministerin habe erkannt, “dass wir wegmüssen von Strukturdebatten. Die Schule der Zukunft muss sich am Kind orientieren, und nicht umgekehrt”.

Die NRW-CDU warnte vor überstürzten Aktionen. Parteichef Laschet riet dazu, das bestehende G 8 zu verbessern. FDP-Chef Christian Lindner klagte über “das totale Chaos” in der Schulpolitik; Eltern und Schüler würden massiv verunsichert. Eine Abkehr vom G 8 wäre absurd, so Lindner: “Wo G 8 gewünscht ist und funktioniert, soll die Politik die Schulen gefälligst in Ruhe lassen. Wo ein anderes Modell bevorzugt wird, sollte man Wahlfreiheit zu G 9 schaffen.”

Quelle: RP

Article source: http://www.rp-online.de/politik/nrw-spd-oeffnet-tuer-zum-g-9-abitur-aid-1.6265099