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Ehrung für das Lebenswerk

Langer ist ein demütiger Mensch. Einer, den der große Erfolg, die Popularität, die Millionen auf dem Konto nicht verändert haben. “Ich bin vom Leben gesegnet, und ich war immer bemüht, etwas zurückzugeben”, sagte Deutschlands Golf-Star am Samstag in Aachen. Dort wurde er von der Stiftung Deutsche Sporthilfe als insgesamt 18. Preisträger mit der Goldenen Sportpyramide für sein sportliches und gesellschaftspolitisches Lebenswerk geehrt. “Dieser Preis bedeutet mir sehr viel”, sagte Langer, und es klang nicht wie eine bei solchen Anlässen übliche Floskel.

Langers größter Wunsch wird allerdings unerfüllt bleiben, das Comeback des Golfsports bei Olympia findet in Rio ohne einen der besten Spieler der Geschichte statt. “Es wäre ein Traum gewesen, die deutschen Farben bei Olympia zu vertreten”, sagte Langer in Aachen: “Ich würde so gerne einmal diese olympische Atmosphäre als Aktiver miterleben.” Der Traum bleibt unerfüllt, weil Langers Erfolge auf der Champions Tour nicht in die Weltrangliste einfließen. Auf deren Grundlage wurden die Starter für Rio ermittelt.

Langer ist also nicht dabei, aber er ist davon überzeugt, dass die deutschen Starter Martin Kaymer und Alex Cejka in Rio eine gute Rolle spielen werden. Vor allem Kaymer sei nach zwei wechselhaften Jahren wieder “auf einem guten Weg. Golf hat ja viel mit Selbstbewusstsein zu tun, und davon hat Martin in den vergangenen Wochen wieder einiges dazugewonnen”, sagte Langer. Die aktuelle Diskussion um die Olympia-Absagen der Stars kann er nicht nachvollziehen: “So viele sind das doch gar nicht, es fällt eben nur so auf, wenn jemand wie Rory McIlroy zurückzieht.”

Wenig zuversichtlich ist Langer, wenn es um das Comeback des einstigen Dominators Tiger Woods geht. “Mittlerweile glaube ich nicht mehr so recht daran”, sagte der 58-Jährige: “Er hatte enorm viele körperliche Probleme in der Vergangenheit, ich kann mir nicht vorstellen, dass er noch einmal das Level von früher erreicht.” Durchaus vorstellbar sei es, “dass Tiger wieder Turniere spielt, aber nicht mehr mit der Dominanz, mit der er das Spiel ein Jahrzehnt lang beherrscht hat”.

Seiner eigenen Zukunft auf den Grüns sieht Langer voller Freude und Tatendrang entgegen. Noch “eine ganze Zeit” will er auf der Champions Tour dabeibleiben, “und es ist erstaunlich, wieviel man auch in meinem Alter und nach all diesen Jahren täglich dazulernen kann”. Der Trainingsaufwand sei natürlich mittlerweile ein anderer, der Körper brauche mehr Pausen, “aber die nehme ich mir auch”.

Es ist die große Liebe zum Spiel, die den Golfer Bernhard Langer jung hält – und es ist “dieser alte Sportsgeist, das, was ich tue, immer so gut wie möglich zu tun”. Genau deshalb hat er auch das Reiten nach einem einzigen Versuch aufgegeben. Ein lockerer Ritt am Strand in Südafrika geriet vor vielen Jahren zu einem “Erlebnis mit Lebensangst”. Das Pferd, auf dem Langer saß, hatte sich überlegt, nach einem Kilometer in den Stall zurückzukehren: “Und zwar im vollen Galopp. Da habe ich mir geschworen: Das machst du nicht noch einmal.”

(sid)