Share

Fünf-Punkte-Plan

Wenn Deutschland Opfer eines Terroranschlags, etwa durch den sogenannten Islamischen Staat wird, dann wird das gesamte Land in eine Ausnahmesituation gestürzt – und damit auch diejenigen, die an vorderster Front helfen: die Ärzte, die die Verletzten versorgen.

Um sie optimal auf eine solche Situation vorzubereiten, hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie jetzt gemeinsam mit der Bundeswehr einen Fünf-Punkte-Plan zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung in besonderen Katastrophen und bei möglichen Anschlägen entwickelt. Als erste Maßnahme trafen sich am Mittwoch rund 200 Vertreter aus Medizin und Politik zur Notfallkonferenz “Terroranschläge – eine neue traumatologische Herausforderung” in Berlin. 

“Bereits 2013 haben wir innerhalb unserer Gesellschaft mit der Bundeswehr eine Arbeitsgemeinschaft Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie gegründet, um uns mit diesem Thema auseinanderzusetzen”, sagt Professor Reinhard Hoffmann, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft Unfallchirurgie (DGU), die mit Krankenhäusern in ganz Deutschland in der Unfallmedizin zusammenarbeitet und ihre Interessen vertritt.

Im Falle eines Anschlages haben die Mediziner es mit völlig neuen Umständen zu tun

Denn im Falle eines Terroranschlages hätten es die Mediziner mit Verletzungen und Umständen zu tun, die sie bislang noch nicht kennen. “Das wären ja Zustände wie bei einem Krieg im Inneren, wo man Verletzungen von Explosionen, verletzte Gliedmaßen etwa, versorgen muss und dabei eventuell unter Beschuss steht. Man weiß dann schließlich nicht, ob der Anschlag vorbei ist oder ob noch Attacken folgen”, sagt Hoffmann. Katastrophenmedizin kenne man etwa von Unglücken wie zuletzt dem Zugunglück von Bad Aibling. “Aber da sind die Verletzungen anders, und es ist absehbar, wann die medizinische Versorgung beendet ist.”

Die vergangenen Monate mit den Anschlägen in Paris und Nizza hätten die DGU nun jedoch bewogen, sich noch mehr mit dem Thema “Terror in Deutschland” zu beschäftigen – und eine große Kooperation mit der Bundeswehr einzugehen, deren Mediziner bei Themen wie Verletzungen nach Explosionen besonders geschult und erfahren seien.

Gemeinsam wurde der Fünf-Punkte-Plan erstellt. Außerdem soll in den der DGU angeschlossenen Trauma-Netzwerken in ganz Deutschland ein Bewusstsein für das Thema geschaffen werden. Es soll zum Beispiel Informationstage geben. Auch regionale Katastrophenpläne sollen unter Einbeziehung der Kommunen und der Polizei verändert werden. 

Unfallchirurgen sollen von der Bundeswehr geschult werden

Der dritte Punkt des Plans widmet sich der Ausbildung der Unfallchirurgen vor allem durch die Bundeswehr. Sie sollen zum einen medizinisch in der Versorgung etwa von Amputationen geschult werden, aber auch strategisch denken lernen: Wie kann man viele Verletzte in kurzer Zeit an verschiedenen Orten gut versorgen? Und sie sollen lernen, wie es ist, unter Beschuss zu arbeiten. 

In einer vierten Maßnahme sollen im Trauma-Register der DGU künftig auch Schuss- und Explosionsverletzungen aus dem Register der Bundeswehr aufgelistet werden, damit man noch einen besseren Überblick erhält, wie viele Schwerverletzte es in einem Jahr gab und wodurch. Bislang wurden in diesem Register rund 30.000 Schwerverletze aus deutschen Krankenhäusern aufgeführt.

Punkt fünf des Plans widmet sich einer nicht nur strategischen, sondern auch wissenschaftlichen Kooperation von DGU und der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie. Die beiden Organisationen möchten gemeinsam an daran forschen, wie man im Krisenfall Abläufe der medizinischen Versorgung verbessern kann.

Bein abbinden im Erste-Hilfe-Kurs

Reinhard Hoffmann geht mit seinen Forderungen noch einen Schritt weiter: Mit Blick auf die akute Terrorgefahr in Deutschland müsse auch die Erste-Hilfe-Schulung in der Bevölkerung verändert werden, fordert er. “Viele Opfer von Explosionen verbluten innerhalb kürzester Zeit, weil die Blutung nicht gestoppt wird.

Bei der Schulung zur Ersten Hilfe könnte man Erläutern, wie man etwa ein Bein abbindet – das kann im Ernstfall Leben retten”, sagt er. Natürlich klinge dies zunächst brutal und martialisch. Aber man sollte in diesen Zeiten auf alles vorbereitet sein.