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Handball-WM – Gensheimer-Show bringt DHB

Eine starke Abwehr, ein überragender Torhüter Silvio Heinevetter – die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson führte gegen Ungarn mit 16:9. Nach 38 Minuten war der Gegner beim 16:15 allerdings wieder dran. Zwei Treffer vor der Halbzeit, vier nach Wiederbeginn hatten aus einer Partie, die entspannt zu verlaufen schien, einen Kampf gemacht, der an den Nerven zerrte. Nach 55 Minuten war die Führung beim 21:20 immer noch knapp, am Ende aber setzte sich der favorisierte Europameister noch ab und feierte einen wichtigen Erfolg.

Als Mann des Spiels wurde Uwe Gensheimer geehrt. Es ist häufig so, dass der Spieler ausgezeichnet wird, der die meisten Tore wirft. Gensheimer erzielte 13, verwandelte dabei alle acht Strafwürfe. Nicht ungewöhnlich für den 30-Jährigen, der als einer der weltbesten Linksaußen gilt. Dennoch war sein Auftritt außergewöhnlich. “Es war gewiss kein leichtes Spiel für ihn. Aber er hat es überragend gemacht”, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek zur Leistung des Frankreich-Legionärs. “Er hat zwei, drei technische Fehler gemacht. Ich glaube, da muss ich mit ihm reden”, meinte Bundestrainer Sigurdsson augenzwinkernd und ergänzte: Nein, es war grandios.” Gensheimers Vater (60) war am Sonntag plötzlich gestorben. Der Profi war erst am Abend vor dem Spiel eingetroffen, hatte das Training mitgemacht und im Spiel die Rolle übernommen, die man von einem Kapitän erwartet.

Erster Schritt Richtung Achtelfinale

Der erste Schritt zum erhofften Gruppensieg ist gemacht. Gegen Chile, Saudi-Arabien und Weißrussland, das unerwartet gegen Chile verlor (28:32), sind Erfolge fest eingeplant, ehe es am kommenden Freitag gegen Kroatien um Platz eins in der Gruppe gehen dürfte.

Als sich die Spieler von den Fans in der Halle von Rouen verabschiedeten, war ihnen die Erleichterung anzusehen. Nach 20 Minuten (8:7) hatten sie die Ungarn, die durch die Verletzung ihres Rückraumstars Laszlo Nagy etwas aus dem Rhythmus waren, dominiert. Los ging es mit dem Treffer des Leipzigers Niclas Pieczkowski, auf dessen Anerkennung alle aber ungewöhnlich lange warten mussten. Die Schiedsrichter waren sich nicht sicher, ob der Ball auch die Torlinie überschritten hatte und nutzten den Videobeweis.

Xavier Sabate, Ungarns spanischer Nationaltrainer, wechselte zur zweiten Halbzeit die Torhüter. Für den 40 Jahre alten Nandor Fazekas, der nicht schlecht gespielt hatte, brachte er Roland Mikler. Wichtiger aber war, dass seine Spieler in der Abwehr viel aggressiver zupackten und den deutschen Angriff immer wieder stoppten. Quälend lange acht Minuten gelang dem Europameister kein Treffer. Erst als Kai Häfner relativ humorlos aus dem Rückraum abzog, war der Bann gebrochen – die Zitterpartie aber noch lange nicht beendet. Fehlpässe, Fangfehler, schlecht platzierte Würfe, ein starker Mikler, all das sorgte dafür, dass die Partie lange offen blieb.

Auch die Ungarn machen Fehler

Glück für die deutschen Spieler, dass auch der Gegner nicht fehlerfrei agierte. Als Uwe Gensheimer zum 18:16 traf, waren fast 45 Minuten absolviert. Zwei Treffer in einer Viertelstunde, im Handball eigentlich eine Ausbeute, die in einer Niederlage mündet. Doch diese Mannschaft hat die Qualität, auch Durststrecken zu verkraften. Nach der Pause war es vor allem Kai Häfner, der mit seinen Toren zum rechten Zeitpunkt die Nerven etwas beruhigte. Der 27-Jährige ist der einzige Linkshänder im Rückraum und meisterte die Belastung eindrucksvoll. Auch seine Mitspieler ließen sich nicht entmutigen, als es nicht rund lief, etwa bei Julius Kühn. Der Gummersbacher Rückraum-Hüne hatte einige Fahrkarten, glänzte aber mit überraschenden Anspielen, die zu Toren führten.

“Es war ein hartes Match, aber ich denke, wir haben verdient gewonnen, weil wir die ganze Zeit geführt haben”, lautete Sigurdssons Fazit nach dem Sieg über einen “sehr starken Gegner”.

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