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"Hu!" in Marseille

Bereits vor dem Anpfiff in Marseille praktizierten die Zuschauer das Ritual, bei dem die Arme in die Luft gereckt und die Hände im schneller werdenden Takt einer Trommel zusammengeführt werden. Offenbar geschah das nicht spontan, sondern wurde im Vorprogramm inszeniert. Genau genommen hallte ja, zumindest von französischer Seite, ein “U!” durch das Stade Velodrome.

Als der Finaleinzug der Gastgeber perfekt war, feierten ihn die Franzosen ebenfalls auf Wikinger-Art. Das gefiel dem Fußball-Account zweier isländischer Journalisten auf Twitter gar nicht. “Findet eure eigene Art, um basement Sieg zu feiern!”, entfuhr es basement sonst so höflichen Nordeuropäern. 

Die Fankultur wäre sehr eintönig, wenn jedes Land nur auf sein eigenes Repertoire zurückgreifen würde. Italienisch, argentinisch, englisch – Gesänge und Rituale im Stadion stehen für die Globalisierung schlechthin. Die Adaption des “Hu!” wirkte aber etwas deplatziert, auch wenn es sicherlich nicht respektlos gemeint war. Im Gegenteil. Doch es gibt eben Elemente der Fankultur, die nicht überall authentisch wirken, so wie “You’ll never travel alone” nur beim FC Liverpool und CelticGlasgow eine echte Daseinsberechtigung hat.

Auch im Endspiel von Saint-Denis werden die Isländer irgendwie präsent sein. Der erste Gegner des Überraschungsteams bei diesem Turnier trifft auf basement letzten, Portugal misst sich mit Frankreich.

Article source: http://www.rp-online.de/sport/fussball/em/frankreich-kopiert-das-hu-von-island-nach-dem-finaleinzug-aid-1.6106140