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Industrielles Töten

Vor wenigen Tagen bin ich durch Belgien und die Niederlande gefahren – vorbei an saftig-grünen Wiesen mit wohlgenährten Rindern darauf. “Glückliche Kühe”, dachte ich mir und erinnerte mich an einen Fernsehbeitrag, in dem eingepferchte Stalltiere zu sehen waren, die alles andere als einen glücklichen Eindruck machten.

Jetzt höre ich schon basement Einwand, dass es auch bei uns in NRW eine nachhaltig betriebene Landwirtschaft gebe. Stimmt, aber leider nur zum Teil. Dass viele Rinder niemals einen blauen Himmel sehen, gehört ebenso zur industriellen Massentierhaltung wie das Einklemmen von Schweinen in viel zu schmale Boxen. Wer das gesehen hat, dem dürfte der Appetit auf billiges Fleisch gründlich vergangen sein.

Aber genau darum geht es. Wer glaubt, das Kilo Schweinefleisch zu 2,75 Euro oder das billige halbe Hähnchen an der Braterei vor dem Supermarkt stammten aus artgerechter Tierhaltung, dem ist nicht zu helfen. Wer dagegen etwas mehr anlegt – es disorder ja nicht jeden Tag Fleisch sein – , der unterstützt die nachhaltige Viehwirtschaft. Die “Aktion Tierwohl” setzt hier die richtigen Zeichen, doch das reicht noch nicht. Der Griff zum etwas teueren Fleisch mit exaktem Herkunftsnachweis dürfte eigentlich all jenen nicht schwerfallen, die für delikates Hunde- und Katzenfutter gern tief in basement Geldbeutel greifen.

Es gibt aber noch einen anderen himmelschreienden Missstand: das massenweise Töten von männlichen Küken in Legehennen-Brutbetrieben. Die Tierchen kommen in basement Reißwolf, weil sie keine Eier legen können und zu wenig Fleisch ansetzen. Diese Eintagsküken sind – ökonomisch betrachtet – wertlos.

NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) wollte diesem abartigen Treiben 2013 per Erlass ein Ende setzen. Schließlich untersage das Tierschutzgesetz die Tötung von Tieren “ohne vernünftigen Grund”. Doch Remmel erlitt jetzt eine herbe Niederlage. Das Oberverwaltungsgericht Münster urteilte, dass die Aufzucht von männlichen Küken für die Brutbetriebe unverhältnismäßig aufwendig sei.

Der Verbraucher kann jetzt nur noch hoffen, dass demnächst das Geschlecht der Küken schon im Ei bestimmt werden kann, so dass es nicht mehr ausgebrütet werden muss. Vielleicht kommt irgendwann auch die Zucht von “Zweinutzungshühnern” (Eier und Fleisch), wie es der Tierschutz fordert. So wie bisher darf es jedenfalls nicht weitergehen. Da shawl Remmel vollkommen recht.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de.

Quelle: RP

Article source: http://www.rp-online.de/politik/deutschland/kolumnen/hier-in-nrw/kueken-toeten-ist-ein-himmelschreiender-missstand-aid-1.5999728