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Köln – Hamburg 3:0

Sir Alex Ferguson darf getrost zugetraut werden, Entwicklungen im Fußball richtig einzuschätzen. Der Schotte gewann als Trainer mit Manchester United 13 Meistertitel und zwei Mal die Champions League. Nun äußerte er sich aus der Ferne zum 1. FC Köln. “Sie erinnern mich an Leicester”, sagte Ferguson dem “kicker”. “Dort muss in der jüngeren Vergangenheit eine gute Grundlage geschaffen worden sein.” Leicester wurde im vergangenen Jahr völlig überraschend englischer Meister.

In Köln wird die Aussage unterschiedlich aufgenommen. Die Fans neigen ohnehin eher zum Bauen von Luftschlössern während die Verantwortlichen ihre Füße gerne am Boden festkleben. Am Sonntag erhielten die Träumer neue Nahrung. Der FC gewann gegen den Tabellenletzten Hamburger SV mit 3:0 (0:0) und zog an Berlin und Dortmund vorbei auf Platz vier. Anthony Modeste erzielte innerhalb von 26 Minuten einen Hattrick.

Maroh schon wieder verletzt

Für Dominic Maroh sollte es ein persönlicher Feiertag werden. Der Innenverteidiger kehrte nach langer Verletzungspause in die Startelf zurück. Sein Auftritt dauerte aber nur zwölf Minuten, ehe er den Platz nach einer rüden Attacke von Bobby Wood wieder verlassen musste. Vorläufige Diagnose: Schlüsselbeinverletzung, am Montag folgen weitere Untersuchungen im Krankenhaus. Die nicht eingeplante Auswechslung nutzte Trainer Peter Stöger zur Umstellung auf ein variables 5-4-1-System. Zunächst entwickelte aber der HSV mehr Zug zum Tor. Dabei verpassten es die Gäste aber, den letzten, entscheidenden Pass zum Mitspieler zu bringen.

Köln agierte fahrig, wirkte bei weitem nicht so gedankenschnell wie in den erfolgreichen Vorwochen. Das Publikum suchte den Schuldigen allerdings nicht beim eigenen Team sondern beim Schiedsrichter. In der Tat entschied sich Benjamin Brand im Zweifelsfall meist für eine härtere Bestrafung der Heimmannschaft. Die wichtigste Entscheidung des ersten Durchgangs fällte der Unparteiische aber zugunsten der Kölner. Yuya Osako dribbelte sich fünf Minuten vor der Halbzeit in den Strafraum, Ashton Götz brachte ihn zu Fall. Brand zögerte nicht, zeigte auf den Elfmeterpunkt. Modeste lief an, knallte den Ball aber an den linken Pfosten.

Nach der Pause hatte das Spiel zwei entscheidende Protagonisten: Wood und Modeste. Der US-Amerikaner half dem FC dabei entscheidend auf dem Weg zum fünften Saisonsieg. Für seinen Ellbogenschlag in die Magengrube von Dominique Heintz sah Wood die Rote Karte (58.). Kurz zuvor hatte der Kölner Marco Höger allerdings Glück, nach einem taktischen Foul nicht mit Gelb-Rot vom Platz zu müssen.

Modeste-Show in Überzahl

Es war der Startschuss zur großen Modeste-Show. Der Franzose ließ sich von seinem Elfmeter-Fehlschuss nicht irritieren, traf zweimal per Fuß – beim ersten Treffer touchierte er eine Hereingabe von Simon Zoller höchstens minimal, die DFL schrieb das Tor schließlich Modeste zu – einmal per Kopf und führt weiter die Torschützenliste der Liga mit nun elf Treffern in neun Spielen an.

“Bis zur roten Karte war es ein ordentliches Spiel von uns. Der Platzverweis in dieser Phase war sehr ärgerlich. In Unterzahl ist es schwer, einen Sieg einzufahren”, sagte HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga in der Mixed Zone. Kölns Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke erklärte bei Sky: “Am Ende war der Sieg vielleicht ein bisschen hoch und auch der Überzahl geschuldet. Aber wir haben einen Stürmer, der im Moment jede Fliege vom Pfosten schießt – außer beim Elfmeter.”

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