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Kongress "China trifft NRW" in Düsseldorf

China ist noch vor den USA wichtigster Markt für E-Commerce weltweit. Digital bestellte Waren spielen eine immer größere Rolle im Handelsaustausch zwischen der Volksrepublik und Deutschland. Und gerade NRW profitiert von Ideen aus dem Reich der Mitte. Dies sind Kernaussagen von Diskussionsrunden am Freitag auf dem Kongress “China trifft NRW”, zu dem die Rheinische Post Unternehmer und Politiker aus beiden Ländern eingeladen hatte.

Einer der wichtigsten Digital-Investoren aus China ist der Konzern Huawei, der in Düsseldorf seine Deutschland- und Europazentrale hat. Vize-Chef Torsten Küpper kündigte an, dass Bürger in Gelsenkirchen künftig ihre Parkplätze per Smartphone reservieren können. Dafür lässt Huawei kleine Sensoren in den Asphalt einbauen, die freie Parkplätze per Mobilfunk melden. Nun sollen die Daten mit Navigationssystemen wie Tomtom oder Google-Maps gekoppelt werden, damit Autofahrer das System nutzen können. “Wir setzen auf die Smart City in Gelsenkirchen als Modellprojekt in Deutschland”, sagt Küpper, “weil wir die dortigen Erfahrungen in anderen Städten nutzen können.” Als weitere Projekte schilderte er, wie Huawei die Schalke-Arena und den Gelsenkirchener Zoo mit WLan ausstattete – Nutzer melden sich im Zoo per SMS an.

Die Chancen durch die Digitalisierung

Küpper sieht gerade für NRW große Chancen durch die Digitalisierung. Weil das Bundesland in der Mitte Europas liegt und weil Lohnkosten bei der zunehmend automatisierten Produktion eine immer geringere Rolle spielen, würden künftig ganze Fabriken wieder hier angesiedelt. “Damit das klappt, müssen die Digitalnetze aber weiter schnell ausgebaut werden.”

Dies sieht Susanne Baumann vom Wettbewerber ZTE ähnlich: “Modellvorhaben im Gesundheitswesen wie unser E-Health-Projekt in Düsseldorf bestätigen, dass Digitalisierung das Leben der Menschen verbessern kann.”

Wie sehr Deutschland vom Handel mit und in China profitieren kann, schilderte Hannes Streeck, der für den Logistiker Fiege in Shanghai sitzt. 2013 hätten die Chinesen Waren für 30 Milliarden Euro im Ausland bestellt, 2018 werden es Produkte im Wert von 140 Milliarden Euro sein – deutlich mehr als die Deutschen dann online kaufen.

“Die Chinesen vertrauen deutschen Waren, hiesige Lieferanten profitieren davon”, sagt Streeck. So berichtet er, dass chinesische Mütter häufig Windeln und Babynahrung beim deutschen Anbieter Windeln.de bestellen – in fünf Tagen ist die Ware dann per Luftfracht und Weiterverteilung bei den Bestellern in Fernost. Interessant: Die Kosten für die schnelle Lieferung eines 2,5 Kilo schweren Päckchens liegen mit knapp zehn Euro nur minimal höher, als wenn in Europa geliefert wird.

“WeChat – ein tolles Tool für Vertrieb und Marketing”

Mit mehr als 806 Millionen aktiven Nutzern ist WeChat der drittgrößte Messenger der Welt nach WhatsApp und dem Facebook-Messenger. In den letzten fünf Jahren hat die App die digitale Kommunikation in China erobert. “Wenn wir WeChat nutzen, sehen wir, was auf Europa zukommt. Es ist ein tolles Tool für Vertrieb und Marketing”, sagt Gina Hardebeck, China-Chefin der Beratungsagentur Storymaker.

WeChat vereint die Funktionen von Apps wie Facebook, Amazon, Skype, des Fahrdienstes Uber und der Datingapp Tinder. “WeChat zeigt uns auch, wie Chinesen kommunizieren. Wir lernen durch die App auch kulturell etwas von dem Land”, sagt Felix Scherrer vom Düsseldorfer Social-Media-Marktforscher Linkfluence. Nutzer können über WeChat Termine beim Arzt ausmachen, die Stromrechnung oder Strafzettel bei der Polizei bezahlen. Wenn deutsche Unternehmen chinesische Kunden erreichen möchten, kommen sie an WeChat nicht vorbei – Europa kann also bei der Digitalisierung einiges vom Reich der Mitte lernen.

Quelle: RP