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Mit großer Mehrheit gewählt

Um 22.41 Uhr war es endlich so weit: Uli Hoeneß ist mit überwältigender Mehrheit erneut zum starken Mann bei Bayern München gewählt worden. 987 Tage nach dem erzwungenen Rücktritt als verurteilter Steuerhinterzieher und 270 Tage nach seiner vorzeitigen Haftentlassung steht der 64-Jährige zum zweiten Mal als Präsident an der Spitze des deutschen Fußball-Rekordmeisters.

Von 7152 anwesenden Mitgliedern gaben ihm auf der Jahreshauptversammlung am Freitagabend nur 108 ihre Stimme nicht, 58 enthielten sich. Die Amtszeit beträgt drei Jahre, die Wahl von Hoeneß zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der FC Bayern AG ist Formsache.

Während seiner knapp neunminütigen Bewerbungsrede bat Hoeneß die Mitglieder “um eine zweite Chance”, und versprach, “dass ich alles tun werde, um ihre Erwartungen zu erfüllen.”

Er bekam diese zweite Chance, es war auch nicht anders zu erwarten. Hoeneß betonte, er wolle ein “Bindeglied” und ein “Kümmerer” für alle im Verein sein, er wolle dafür sorgen, dass der FC Bayern seiner “ungeheuren sozialen Verantwortung” gerecht werde – und er ergänzte unter dem Jubel der Fans: “Die Fähigkeit, Probleme anzusprechen, sie schläft nicht, sie ruht und kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen.”

Ähnlich kämpferisch hatte er sich am 2. Mai 2014 bei seiner Abschiedsrede auf einer außerordentlichen Hauptversammlung gezeigt, als der damals bereits zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte Hoeneß den Mitgliedern zurief: “Das war’s noch nicht!” Er habe das damals spontan gesagt, weil er die Unterstützung, “die Liebe” im Saal gespürt habe und deshalb etwas zurückgeben wollte, sagte er nun. Und er ergänzte: “Ich respektiere jeden, der mir wegen dieses Fehlverhaltens seine Stimme nicht gibt. Aber ich habe alles getan, um diesen Fehler wieder gutzumachen.”

Schon als Hoeneß mit 22-minütiger Verspätung den rappelvollen Audi Dome betrat, brandete Beifall auf. Der designierte Präsident wurde mit Standing Ovations und “Uli”-Rufen empfangen – es wurde deutlich, wie groß die Sehnsucht nach der Rückkehr des Patriarchen war. Zuvor hatte Hoeneß mit dem noch amtierenden Präsidenten Karl Hopfner vor der Halle all jene zu beruhigen versucht, für die drinnen kein Platz frei war. Der FC Bayern hatte ein Zelt errichtet für zusätzlich 2000 Mitglieder, doch nicht jeder wollte dort hinein – die Atmosphäre war aufgeheizt.

Hopfner hatte während der Abwesenheit von Hoeneß dessen Amt übernommen, aber stets betont, bei dessen Rückkehr den Weg freimachen zu wollen. Der scheidende Präsident (“Das war’s”) wurde nach 33 Jahren in Diensten des FC Bayern mehrfach mit Standing Ovations gefeiert. Von Klubchef Karl-Heinz Rummenigge wurde der langjährige Geschäftsführer, Finanzvorstand und eben Präsident in den höchsten Tönen gelobt: “Karl ist quasi der Schöpfer des FC-Bayern-Wirtschaftswunders, ein Ludwig Erhard ohne Zigarre”, sagte er.

Dieses Wirtschaftswunder setzt sich scheinbar unvermindert fort. Der Gesamtkonzern setzte in der Saison 2015/16 die Rekordsumme von 626,8 Millionen Euro um, 98,1 Millionen mehr als im Vorjahr. Mit 33,0 Millionen Euro fiel auch der Gewinn so hoch aus wie nie. Das Eigenkapital beträgt mittlerweile 424,6 Millionen Euro, auf dem “Festgeldkonto” liegen 190,3 Millionen Euro. Finanz-Vorstand Jan-Christian Dreesen nannte es angesichts dieser Zahlen “vorrangiges Ziel, regelmäßig die notwendigen Investitionen in den Lizenzspielerkader zu tätigen”.

Bei diesem “Weiterhin” wird auch Hoeneß eine wichtige Rolle spielen. Rummenigge betonte, er sei “neugierig” auf die erneute Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Zimmergenossen zu Spielerzeiten. Hoeneß hatte bereits mit einem Schmunzeln erklärt, er könne sich vorstellen, “dass Karl-Heinz mehr fürs Geld verantwortlich ist und ich fürs Herz”.

(ems/sid)