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Neuer Service in Düsseldorf

Es ist ein visionäres Angebot, das Media Markt derzeit den Anwohnern eines Neubaugebietes in Düsseldorf-Flingern (Grafental) macht. Bis zum Jahresende können sie Waren bei dem Elektronikmarkt online bestellen, die dann mit einem kniehohen Roboter auf sechs Rollen geliefert werden. Dafür muss man nur auf die Internetseite des Marktes gehen, den Artikel, den man haben möchte, auswählen, ihn in den virtuellen Warenkorb legen und auf bezahlen drücken. Dann noch die Handynummer angeben sowie den gewünschten Termin für die Lieferung hinzufügen, und die Ware wird noch am selben Tag geliefert.

Erster deutscher Einzelhändler

Es ist ein Pilotprojekt. Als erster deutscher Einzelhändler bietet Media-Markt in Düsseldorf diesen Test zur Lieferung per Roboter an. Während dieser Phase darf der Roboter nur bei Tageslicht fahren und muss von einem menschlichen Begleiter überwacht werden – Auflagen, die die die Stadt Düsseldorf gemacht hat. Entwickelt hat das Liefergerät, das bislang nur kleine Gegenstände bis zu einem Gesamtgewicht von maximal zehn Kilogramm transportieren kann, das Unternehmen Starship in Estland. In der dortigen Hauptstadt Tallinn, wo die Firma ihren Hauptsitz hat, sitzt ein sogenannter Operator, der mit dem Begleiter des Roboters in Düsseldorf telefonisch verbunden ist. Falls es zu Problemen kommt, der Roboter etwa plötzlich stehen bleibt oder vom programmierten Kurs der Lieferadresse abweicht, kann er von Tallinn aus gesteuert werden.

Sobald man seine Ware zu Hause am Computer bestellt hat, erhält man auf seinem Handy einen Link mit einem Code und eine Nachricht mit der Bestätigung, dass die Bestellung eingegangen ist und verpackt wird. Auf dem Smartphone kann man dann per GPS-Tracking verfolgen, wo der Roboter sich gerade befindet, nachdem er den Markt mit dem bestellten Artikel verlassen hat.

Der Roboter ist vergleichsweise gemächlich unterwegs. Er hat eine Maximal-Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde. Dafür ist er umweltfreundlich, läuft mit einem leistungsstarken Akku, der auch während der Lieferung bei einem Ausfall manuell sofort ausgetauscht werden kann. Damit kann er einen Umkreis von etwa drei Kilometern rund um seine Basisstation beliefern. Viel größer soll der Radius auch nach der Testphase und bei einer möglichen Markteinführung nicht werden. Er sei, sagt Media-Markt-Sprecherin Eva Simmelbauer, auch nur für Wohngebiete konzipiert, nicht für Lieferungen in Innenstädte, weil der Roboter zu oft “anecken” würde bei dem dortigen Verkehr. “Außerdem soll die Ware möglichst schnell ankommen. Das geht nur bei kurzen Wegen”, betont sie. Zwischen 30 Minuten und maximal drei Stunden soll es dauern, bis die Bestellung eintrifft.

Gute Sicherung gegen Räuber

Weil es sich um ein kleines Testgebiet mit nur wenigen hundert Haushalten handelt, halten sich die Bestellungen noch in Grenzen, und es geht meist sehr flott, bis “Robbie”, wie Mitarbeiter des Konzerns den Roboter auch nennen, seine Basisstation Richtung Lieferadresse verlassen hat. Mit Schrittgeschwindigkeit fährt er dann auf Bürgersteigen zu seinem Zielort. Auf seinem Weg ins Neubaugebiet überquert er auch eine Straße, und das vorbildlich: nämlich über einen Zebrastreifen. Mit seinen neun Kameras und Ultraschallsensoren erkennt er jedes Hindernis. Kommen ihm Fußgänger ihm entgegen, fährt er kurz zur Seite und lässt sie passieren. Bislang habe es noch keine Zwischenfälle gegeben, betont Dino Dessie, der “Robbie” bei seinen Ausfahrten begleitet. Auch gegen Räuber ist “Robbie” gut gesichert. “Wer ihn attackiert, wird live gefilmt. Die Polizei ist schnell da”, sagt er.

Sobald das rollende Gefährt vor der Haustür steht, erhält man eine Nachricht auf seinem Handy. “Robbie” sei da und stehe draußen bereit. Denn die Klingel kann er nicht selbst drücken. Man muss schon zu ihm raus. Das kann etwas lästig sein, wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt. Aber um von einem Roboter beliefert zu werden, kann man das schon einmal in Kauf nehmen. Steht man dann vor “Robbie”, drückt man auf seinem Smartphone den zuvor erhaltenen Link und drückt auf “öffnen”. Am Roboter geht dann eine Klappe auf, und man kann seine Ware aus einem Fach nehmen. Mit einem weiteren Klick verriegelt man “Robbie” wieder, der daraufhin von dannen zieht.

(csh)

Article source: http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/duesseldorf-wenn-der-roboter-zweimal-klingelt-aid-1.6357334