Share

NRW-Tag

Kerstin Faßbender und Andreas Diekmann schrecken auch vor unbequemen Fragen nicht zurück. “Können Sie sich einen Austritt Deutschlands aus der EU vorstellen?”, wollen die Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums von Franz-Josef Lersch-Mense wissen. Der Chef der Staatskanzlei ist sichtlich beeindruckt von den forschen Fragen der beiden 17-Jährigen, die sich im Politik-Unterricht auf ihr Kreuzverhör beim Forum Politicum vorbereitet haben. Auf der Bühne am Landtag stellen sich die Minister den Fragen der Schüler, darunter auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger. Die Themenpalette deckt dabei das gesamte politische Spektrum ab, von der Flüchtlingsfrage bis zur sozialpolitischen Verantwortung Deutschlands gegenüber den Entwicklungsländern. “Es ist aufregend und nicht alltäglich, dass man als Schüler die Gelegenheit bekommt, über diese Themen mit Politkern einmal offen zu diskutieren”, sagt Kerstin. Und ein möglicher EU-Austritt von Deutschland? “Darüber”, sagt Franz-Josef Lersch-Mense, “müssen wir uns keine Sorgen machen. Die Akzeptanz der EU innerhalb Deutschlands ist sogar gewachsen.”

“Düsseldorf, are you ready to party?” Diese Frage stellen Culcha Candela, die nicht aus NRW kommen, sondern aus Berlin – und deshalb jede Diskussion zwischen Rheinländern und Westfalen erledigten, wer denn den prominentesten Musik-Beitrag leisten darf. Als die Musiker am Samstagabend die Bühne auf dem Burgplatz betreten, ist es endlich nicht mehr ganz so heiß – und Tausende Besucher beantworten die Frage nach der Party mit einem entschiedenen Ja. Der Geheimtipp zur gleichen Zeit ist die zehnköpfigen Brass-Band Moop Mama. Die spielt etwas abgelegen auf der Bühne auf der Oberkasseler Rheinwiese, wo es dafür sehr entspannt zugeht: Manche Besucher verfolgen das Konzert von Picknick-Decken aus, andere tanzen wild – und der Blick über den Rhein bietet einen wunderbaren Rahmen. Moop Mama kommen übrigens auch aus einer Stadt, die eher am Rand von NRW liegt: München.


Eindrücke vom Samstag beim NRW-Tag

FOTO: Bretz, Andreas

Blaulicht hautnah gibt es auf der Oberkasseler Rheinwiese. Kinder dürfen sich in das Cockpit eines echten Polizeihubschraubers der Bundespolizei setzen. Der Polizist Dominik Henze erklärt, wie genau man einen Helikopter startet und landet. In direkter Nachbarschaft zeigt die Landespolizei Streifenwagen aus sieben Jahrzehnten der NRW-Geschichte. Neben einem Passat mit Fließheck aus den 80er Jahren und einer alten Mercedes S-Klasse, die extra für den Personenschutz gepanzert worden ist, steht auch ein Wasserwerfer der neuesten Generation. Besucher, vor allem Kinder, dürfen sich in die Fahrzeuge setzen. In einem Tauchturm mit Fenstern demonstrieren Rettungstaucher von DLRG und THW ihr Können.

“Lasst euch von Gott in die Arme nehmen” – mit einem flammenden Appell an die Menschlichkeit eröffnet Rainer Maria Kardinal Woelki den ökumenischen Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Burgplatz. Rund 750 Menschen halten inne, als der Kölner Erzbischof an der Seite von Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, sowie Augoustinos Lambardakis, orthodoxer Metropolit, nicht nur die Bürger in NRW zu mehr Menschlichkeit aufruft. Das Bundesland blühe zwar in einem wiedervereinigten Deutschland in der Mitte Europas, der Weg dorthin sei in den vergangenen sieben Jahrzehnten aber auch von Schicksalsschlägen und Katastrophen gezeichnet gewesen.


Hannelore Kraft eröffnet NRW-Tag in Düsseldorf

FOTO: Bretz, Andreas

Wer ein Pokémon auf der Girardet-Brücke fangen will, muss sich was einfallen lassen. Das Gourmet-Festival, das diesmal einfach in den NRW-Tag integriert wird und sich über viel Zulauf für seine Spezialitäten freuen kann, hat den Treffpunkt der Anhänger der virtuellen Monsterjagd in Beschlag genommen. Immer wieder mal werden Spieler gebeten, den Weg freizugeben. Die meiste Zeit klappt aber ein friedliches Miteinander: Manche Jugendliche nippen an einer Cola, die sie an einem Stand gekauft haben, und dürfen dafür einen Liegestuhl nutzen, andere quetschen sich einfach neben oder hinter die Wagen der Gastronomen oder gleich hinter den Zaun in Richtung Kö-Graben – echte Monsterjäger hält nichts auf.

Am Sonntag setzt sich um 14 Uhr ein imposanter Schiffskorso bestehend aus mehr als 20 Booten auf dem Rhein in Bewegung. Imposant vor allem, weil ein halbes Dutzend nordrhein-westfälischer Feuerlöschboote aus allen Rohren Wasser spritzen, so dass die Besucher des rechten Rheinufers dank Wind eine kühle Dusche bekommen. Neben Feuerwehrbooten sind auch Schiffe des Zoll und der Wasserschutzpolizei beteiligt.


So schön strahlt der Rheinkomet für das NRW-Fest

FOTO: Endermann, Andreas

“D’r Zoch kütt!” Fast ein halbes Jahr nach dem nachgeholten Rosenmontagszug bahnt sich am Samstagnachmittag Zugleiter Hermann Schmitz den Weg durch die Massen auf dem Burgplatz. Tropischer Karneval im Spätsommer? “Für Kamelle”, so Schmitz, “ist es zwar zu heiß, aber egal. Helau!” Zum 70. Geburtstag von Land und Landeshauptstadt scheint alles möglich. Rund 2500 Teilnehmer des großen Festumzugs tragen die rheinische Fröhlichkeit von der Oberkasseler Brücke bis ins Herz der Stadt in die Altstadt. Während sich zum Startschuss Fallschirmspringer mutig in die Tiefe stürzen, sorgt vor allem die chinesische Gemeinde mit einem wilden Fächertanz um einen Drachen zu Trommelschlägen nicht nur für optische Highlights. Mit mehreren hundert Teilnehmern stellen sie auch die größte Gruppe. Statt Kamelle gibt es Glückskekse, und besser noch: Fächer fürs um die Wette schwitzende Publikum. Die Amigos de Bolivia und die Gruppe “Pantao” sorgen mit prächtigen Kostümen für südländisches Temperament, im sportlichen Teil gratulierten Fortuna und Borussia mit Fans und Nachwuchs zum Doppel-Geburtstag. Und der Erkenntnis: Düsseldorf kann öfter als einmal im Jahr Karneval feiern.

Dort, wo im Sommer die Rheinkirmes tobt, zeigt die Bundeswehr zum NRW-Tag erstmals martialisches Großgerät. Beim Besteigen des mehr als 40 Tonnen schweren Bergepanzers “Dachs” wird den Besuchern erst bewusst, wie groß so ein Koloss ist. Die Marine wirbt mit einem U-Boot-Simulator. Auf dem Rhein zeigen die Pioniere, wie man aus Landungsbooten in Windeseile eine Brücke zusammensetzt, die aus eigener Kraft rheinaufwärts schwimmen kann.

Quelle: RP

Article source: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/die-groesste-party-am-rhein-aid-1.6220513