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Reifeprüfung gegen Real bestanden

Selbst Stadionsprecher Norbert Dickel war eine Spur feierlicher als im Bundesliga-Normalbetrieb. Wo der Dortmunder sonst das Publikum mit Lautstärke in der Nähe der Schmerzgrenze zur Unterstützung aufforderte, reichte es gerade mal zu einem überaus seriösen: “Es wird schwer, aber wenn wir alle mitmachen, können wir es schaffen.” Die Gründe für Dickels feierliche Zurückhaltung: Es war mal wieder Champions-League-Zeit im ehemaligen Westfalenstadion, und Titelverteidiger Real Madrid war zu Gast. Nach einer höchst unterhaltsamen Partie trennten sich die Teams mit einem gerechten 2:2.

“Wenn man zweimal gegen Real Madrid von einem Rückstand zurückkommt, ist das ein schönes Gefühl. Das wird uns helfen. Es zeigt, dass wir dem Niveau gewachsen sind. Wir haben gegen den größten Konkurrenten einen Punkt geholt. Damit können wir zufrieden sein”, sagte Schürrle und Sportdirektor Michael Zorc meinte: “Wir haben eine überragende Mentalität, einen sehr guten Charakter. Insgesamt geht das Ergebnis in Ordnung. Wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. In der zweiten Halbzeit haben wir in den ersten 20, 25 Minuten dagegen nicht zu unserem Spiel gefunden.”

So sah es auch BVB-Trainer Thomas Tuchel: “Wir sind nicht zu hundert Prozent zufrieden, weil wir das Gefühl haben, es besser zu können. Aber es ist immer schwer, einem Rückstand hinterherzulaufen. Vielleicht wäre mehr drin gewesen.”

Bürki pariert Freistoß von Ronaldo

Die Mannschaften hielten sich nicht lange mit lästigen Abtastversuchen auf. Nach vier Minuten hatten schon beide Torhüter Freistoß-Chancen mit Faustparaden zunichte gemacht. Cristiano Ronaldo scheiterte an Roman Bürki, Gonzalo Castro an Keylor Navas. Das spornte vor allem die Gastgeber an. Dortmund spielte eine sehr schwungvolle Anfangsphase. Castro und Mario Götze liefen sich in den Räumen zwischen der offensiven und der defensiven Linie von Real geschickt frei, ihre schnellen Kombinationen schienen genau das richtige Mittel zu sein, gefährlich vors Tor von Madrid zu gelangen.

Als sich der BVB so richtig warmgespielt hatte, schlug Real kühl mit der Führung zu. Nach einem Dortmunder Ballverlust kam Madrid in Überzahl zum Gegenangriff, Toni Kroos brachte den Ball auf den rechten Flügel, im Strafraum legte Gareth Bale mit der Hacke für Ronaldo auf, und der vollstreckte mit der Sicherheit des Superstars.

Das Tor verfehlte seine Wirkung nicht. Dortmund kam eine ganze Zeit nicht mehr ins Tempospiel. Und aus der Abwehr gerieten die Aufbauversuche viel zu behäbig. Es fiel in dieser Phase erkennbar ins Gewicht, dass Marc Bartra im Abwehrzentrum fehlte. Der Verteidiger beherrscht die überraschenden Steilpässe, die seinen Kollegen Matthias Ginter und Sokratis unüberwindbare Probleme bereiten. Zudem verstellte Real im Mittelfeld nun besser die Passwege, und der BVB musste sich in den Aufbau quälen.

Ausgleich gibt Dortmund Auftrieb

Aus der Partie war er natürlich nicht. Den Ausgleich verdankte er allerdings der gütigen Mithilfe von Reals Torwart Navas. Einen ziemlich genau auf seine Figur zuflatternden Freistoß von Raphael Guerreiro faustete er auf Verteidiger Raphael Varane. Dessen unfreiwillige Vorlage drückte Pierre-Emerick Aubameyang dankbar über die Linie.

Das 1:1 war der verdiente Lohn für Dortmunds Bemühungen. Und es belebte die Aktionen des BVB.

Dortmund wirkte in seinen offensiven Ansätzen frischer als der Gast, der im Bewusstsein seiner individuellen Klasse reichlich oft Passagen unergiebigen Verwaltungsfußballs einstreute. Gefährlich blieb er dennoch, weil namentlich die Offensivabteilung mit Ronaldo, Karim Benzema und Bale beim besten Willen nicht völlig auszuschalten ist. Und da waren noch die sogenannten Standardsituationen. So gelang Madrid auch die erneute Führung. Benzema scheiterte nach einem Eckball am Pfosten, Varane besorgte aus kurzer Entfernung den Rest. Der Treffer zum 1:2 war wieder ein Ergebnis professioneller Kälte. In dieser Hinsicht war die Weltauswahl aus Madrid ihrem Gegner deutlich überlegen. Trotzdem kämpfte der BVB weiter um seine Chance. Er belohnte sich mit dem späten Ausgleich durch André Schürrle, der wie ein Siegtreffer gefeiert wurde. 

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