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Rhein-Ruhr-Express

Wer pendelt, braucht ein verlässliches Verkehrsmittel mit einer engen Taktung. Dabei darf es für den Fahrgast nicht zu kompliziert sein, sagt der Verkehrsexperte der IHK für Nordrhein-Westfalen, Joachim Brendel. “Wenn der RRX hält, was er verspricht, wird er das Mobilitätsverhalten der Menschen in NRW verändern, weil die Teilregionen näher zusammenrücken”, erklärt Brendel. “Die Leute werden dann auch bereit sein, größere Distanzen zu überwinden.”

Rund 4,4 der 8,9 Millionen Erwerbstätigen in NRW pendeln schon heute täglich über die Grenzen ihres Wohnortes hinweg zur Arbeit. Etwa zwei Millionen von ihnen in Städte und Gemeinden mit RRX-Halt: Sie könnten künftig von einem besseren Regionalverkehrsangebot profitieren. Das hat eine Studie von SCI Verkehr ergeben. “Zur Berufstätigkeit gehört das Pendeln heute vielfach dazu – gerade wenn man als Paar oder Familie ,irgendwo in der Mitte’ in einem noch nicht so überteuerten Gebiet wohnt, aber in der Großstadt arbeitet”, sagt Brendel. Teils werden dabei schon jetzt weite Strecken zurückgelegt. Viele Münsteraner oder Bonner etwa fahren täglich nach Düsseldorf.

15 Minuten schneller von Düsseldorf nach Münster

Wenn das Fernpendeln leichter und schneller wird, dann könnte das zu neuen Pendlerstädten und Kombinationen von weiter entfernten Wohn- und Arbeitsstädten führen, meint der Experte: “Alle Orte, die an der Strecke liegen, werden profitieren.” Auf dem am stärksten frequentierten Streckenabschnitt zwischen Duisburg und Düsseldorf wird sich die Sitzplatzkapazität in den Zügen verdoppeln. Auch entlegenere Orte wie Hamm werden angebunden. “Einige Städte rücken psychologisch näher heran, etwa Dortmund und Münster, wenn dort pro Stunde durch das bestehende plus das RRX-Angebot bis zu zwölf Fahrten angeboten werden und sich zudem die Fahrtzeit verkürzt.”


So soll der RRX aussehen

FOTO: Siemens

Beispielsweise verringert sich die Fahrzeit zwischen Münster und Düsseldorf um 15 Minuten. Ein Berufspendler spart so über 4,5 Tage Arbeitsweg pro Jahr. Vergleichbar sei das etwa mit dem Beispiel Bonn und Frankfurt. Seitdem es dort die ICE-Trasse gibt und die Mainmetropole in 45 Minuten erreichbar ist, habe auch die Zahl der Berufspendler auf diesem Abschnitt zugenommen, sagt Brendel. In Bonn leben und in Frankfurt arbeiten oder umgekehrt, das war vor dem Bau der Trasse praktisch undenkbar.

Der Bundesverkehrswegeplan 2030 weist aus, dass durch den RRX jeden Tag über 24.000 Personenfahrten von der Straße auf die Schiene verlagert werden können. Stünden diese auf der Straße im Stau, ergäbe sich eine Autokolonne von fast 100 Kilometern Länge – so die Berechnungen von SCI. “Wenn sich das Angebot als verlässlich erweist, wird sicher der ein oder andere auf den Zug umsteigen”, meint auch Brendel.


Das werden NRWs größte Verkehrs-Projekte

FOTO: US (Archiv)

Doch Brendel glaubt auch, dass es bei allen Entlastungen auch einige Regionen geben wird, die “in die Röhre schauen” könnten – etwa Ostwestfalen-Lippe, das Sieger- und Sauerland. Im Vorfeld gemachte Versprechen, dass das gesamte Land Vorteile von dem Projekt haben wird, müssten eingelöst werden, fordert der Experte.

Steigende Nachfrage bei Fahrgästen

Laut der SCI-Studie soll tatsächlich ganz NRW von dem Projekt profitieren. Durch die enge Verknüpfung des RRX mit den übrigen Linien des Regional- und S-Bahn-Verkehrs erstreckt sich das Netz künftig von Aachen nach Bielefeld und Minden oder Kassel sowie von Wesel bis Koblenz, heißt es in der Nutzenstudie. Entlang der Kernachse von Köln über Düsseldorf, Duisburg, Essen nach Dortmund mit vier Linien soll Europas größter Ballungsraum im 15-Minuten-Takt vernetzt werden. Ergänzt werden diese Linien um drei weitere RRX-Linien, die das nördliche Ruhrgebiet, den Niederrhein sowie das Münsterland in den RRX einbeziehen.

Die Metropolregion Rhein-Ruhr wächst den Prognosen zufolge stark: Die bessere Vernetzung der Städte und die höhere Zahl an Verbindungen soll die Mobilität von mehr Menschen in der Zukunft sichern. Wie dringlich die Umsetzung des RRX ist, zeigt auch die Entwicklung der Fahrgastzahlen: Allein zwischen Duisburg und Essen sei die Nachfrage zwischen 2010 und 2014 um über 30 Prozent auf 37.200 Fahrgäste pro Tag gestiegen. Auf vielen Abschnitten wie Düsseldorf – Duisburg oder Dortmund – Hamm übersteigen die Fahrgastzahlen schon heute die 2006 prognostizierten Werte für den RRX-Zielfahrplan.

Quelle: RP