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SEK-Einsatz in Moers – Lkw

Es ist Mittwochabend, gegen 22.45 Uhr. Fünf Mitglieder der Moerser Feuerwehr kommen gerade von einem Einsatz zurück. Da fällt ihnen, nur 200 Meter von der Feuerwache am Jostenhof entfernt, ein Mann auf, der neben einem Lkw über die Straße torkelt. Besorgt um die Sicherheit des Mannes und anderer Verkehrsteilnehmer, sprechen die Wehrleute den offensichtlich Betrunkenen an. Der, so berichtet Feuerwehr-Chef Christoph Rudolph, habe aggressiv geantwortet. Binnen Sekunden eskaliert die Lage. Der Mann läuft zu seiner Führerkabine und kramt aus einer Dose eine Faustfeuerwaffe hervor, die er auf die Feuerwehrleute richtet. “Die Kollegen haben sofort richtig reagiert, sind weggelaufen und in Deckung gegangen, während der Maschinist, der noch im Löschfahrzeug saß Vollgas gegeben hat”, berichtet Rudolph.

Die Leitstelle der Feuerwehr schaltet sofort die Polizei ein, die kurz darauf mit mehreren Streifenwagen vor Ort ist. Obwohl die Beamten ihn mehrfach auffordern, aus seiner Führerkabine zu steigen, reagiert der Bewaffnete nicht. Aufgrund der akuten Bedrohungslage fordern die Beamten ein Spezialeinsatzkommando an. Das ist eine gute Stunde später vor Ort.

Christoph Rudolph, den seine Männer aus dem Bett geklingelt haben, kann den folgenden Ablauf des Geschehens von einem Fenster in der Feuerwache aus verfolgen. “Das war hoch professionell. Die haben alles abgesperrt, kurz die Lage sondiert und sind dann von zwei Seiten gleichzeitig in die Führerkabine rein. Wenig später lag der Fahrer schon auf der Straße.”

Wie sich herausstellt, hat er nur ein paar Schrammen erlitten, ist aber sturzbetrunken. Im Führerhaus finden sich leere Wodkaflaschen sowie eine Flasche Billig-Rosé. “Wir haben den Mann dann medizinisch versorgt. Unsere Kollegen haben die ganze Sache zum Glück unbeschadet überstanden”, sagt Rudolph. Wie sich dann im Verlauf des Donnerstags herausstellt, hat auch zu keinem Zeitpunkt Lebensgefahr für die Männer bestanden. “Die Waffe war lediglich mit einer Pfefferspray-Patrone gefüllt”, berichtet eine Polizeisprecherin. Dennoch sei die Anforderung von Spezialeinsatzkräften angebracht gewesen, da in der Dunkelheit die Waffe einer scharfen Fausfeuerwaffe zum Verwechseln ähnlich gesehen habe.

Warum der 41-Jährige aus Polen so ausrastete, ist nicht bekannt. Bis gestern Mittag sei der Mann noch nicht wieder vernehmungsfähig gewesen, berichtete eine Polizeisprecherin. Der Lkw mit polnischen Kennzeichen steht um diese Zeit immer noch an seinem Platz. Möglicherweise steht der Mann mit keinem Moerser Speditionsunternehmen in Verbindung. Der Jostenhof ist ein beliebter Rastplatz für Fernfahrer aus ganz Europa.

(lsa/lnw)