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SPD-Parteichef

Sigmar Gabriel gehört zur Sorte der nahbaren Politiker. Er gibt viel von sich preis. Er ist in schwierigen Verhältnissen großgeworden: Der Vater, ein alter Nazi, prügelte und hielt über Jahre den Jungen von der getrennt lebenden Mutter fern. Als er mit zehn Jahren zu Mutter und Schwester ziehen durfte, war das Geld knapp.

Mit 17 Jahren trat Gabriel dem SPD-nahen Jugendverband “Falken” bei. Willy Brandt verehrte er, was auch seinen emotionalen Bezug zum Amt des SPD-Parteichefs erklärt. Er machte eine typisch westdeutsche Politiker-Karriere: Kommunalpolitik und Lehramtsstudium, Landtagsabgeordneter, Fraktionschef. Als 1999 der in Affären verstrickte niedersächsische Regierungschef Gerhard Glogowski zurücktrat, war Kanzler Gerhard Schröder daran gelegegen, den Abgang wie eine Frischzellenkur aussehen zu lassen – die trug den Namen Sigmar Gabriel. 2003 verlor der allerdings die Landtagswahl und wurde bespöttelter Pop-Beauftragter der SPD (“Siggi Pop”).

Mit dem Gewinn des Direktmandats in Salzgitter-Wolfenbüttel zog er zwei Jahre später in den Bundestag ein und wurde Umweltminister in der ersten Regierung Merkel. Als die SPD 2009 eine historische Niederlage erlitt, übernahm er die Führung, einte die über Hartz IV zerstrittene Partei und impfte ihr neues Selbstbewusstsein ein. Vizekanzler und Wirtschaftsminister ist Gabriel seit 2013. Immer wieder muss er Kritik für seine Sprunghaftigkeit einstecken. Ob in der Flüchtlingskrise, bei der Vorratsdatenspeicherung, beim Freihandelsabkommen TTIP oder im Umgang mit Pegida – der Vorwurf lautete stets: Er steuere einen Zickzack-Kurs.

Am nettesten nimmt ihn seine Frau Anke, eine Zahnärztin, in Schutz, die über Gabriel sagt, sie kenne einen anderen Menschen. Die beiden erwarten im Frühjahr ihre zweite Tochter. Aus erster Ehe hat Gabriel eine erwachsene Tochter.

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