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Trendsportart Headis

Am Anfang war es eine Notlösung. Der Fußballplatz war belegt an diesem Sommertag im Jahr 2006, und im Freibad von Kaiserslautern musste eine Alternative her. René Wegner sah sich um, der Student erblickte eine freie Tischtennisplatte – und Headis war geboren. Zehn Jahre später ist es längst mehr als ein Trendsport.

Bereits die elfte Headis-Weltmeisterschaft geht am Wochenende in Kaiserslautern über die Bühne. 150 Teilnehmer aus zehn Nationen sind dabei, ohne Schläger wird der Ball mit dem Kopf über die Platte befördert.

Mittlerweile spielen die Headis-Spieler mit einem speziell angefertigten, etwa 100 Gramm schweren Gummiball, es gibt Turnierserien in ganz Deutschland. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der spektakuläre Sport durch den Entertainer Stefan Raab bekannt, der Headis in seinen Sendungen “TV Total” und “Schlag den Raab” spielte.

Auch Fußball-Vereine haben den sportlichen Wert erkannt. In Zusammenarbeit mit dem 1. FC Kaiserslautern wurde in wissenschaftlichen Studien an der Verbesserung des Kopfballspiels durch Headis gearbeitet. Thomas Tuchel, damals noch Trainer des FSV Mainz 05, setzte Headis zu Trainingszwecken ein, und Jürgen Klopp ist sich “sicher, dass Headis das Kopfballspiel verbessert”.

Auch die Stars des Premier-League-Klubs FC Arsenal wagten sich jüngst an die Platte. Die Professionalisierung der Sportart schreitet stetig voran. Der 1. FC Kaiserslautern und Bundesligist Darmstadt 98 betreiben bereits eigene Headis-Abteilungen.

Anders als beim Tischtennis darf man den Ball auch volley nehmen und mit allen Körperteilen die Platte berühren. Das sorgt für spektakuläre Sprungeinlagen. Doch dem Funsport ist Headis längst entwachsen. 2013 schloss man Franchise-Verträge für lizensierte Ableger in der Schweiz und Tschechien, es folgten Belgien und Luxemburg und Ende 2015 auch China. “Der Franchise-Vertrag mit unseren Partnern in China ist ein absoluter Meilenstein”, sagte Wegner.

Auch die erste Europameisterschaft 2015 war laut Wegner “ein Riesenschritt für die Sportart”. Anhand der verkauften Bälle könne man “längst skizzieren, dass es eine fünfstellige Zahl an Headis-Spielern gebe. Die meisten Bälle werden natürlich in Deutschland verkauft, aber auch in sehr vielen europäischen Ländern, den USA und China gibt es Spieler”, sagte Headis-Erfinder Wegner.

Bei der Rückkehr an die Geburtsstätte des Sports, das Schwimmbad Waschmühle in Kaiserslautern, stellt die WM an diesem Wochenende einen neuen Teilnehmerrekord auf. Holländer, Tschechen und sogar US-Amerikaner meldeten sich an. Headis will die Welt erobern.

(sid)