Share

Unfall in New Jersey

Der bei dem schweren Zugunglück nahe New York verletzte Lokführer ist vernehmungsfähig. Der Mann sei aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagte die Vizedirektorin der Eisenbahnbehörde NTSB, Bella Dinh-Zarr, am Donnerstag (Ortszeit). Bei dem Unglück wurde eine 34-Jährige getötet, 108 weitere Personen erlitten Verletzungen. Die Ursache war noch unklar.

Die Ermittler suchen weiter nach dem Datenschreiber. Sie hoffe, dass der Rekorder bald gefunden werde, um Aufschluss über Geschwindigkeit und Bremsweg des Unglückszugs zu erhalten, sagte Dinh-Zarr. Die Spurensuche am Bahnhof in Hoboken werde sieben bis zehn Tage dauern.

Der voll besetze Pendlerzug war am Donnerstagmorgen nahezu ungebremst in den Bahnhof von Hoboken gekracht. Dort durchbrach er Absperrungen, knickte Pfeiler um und blieb zwischen dem Wartebereich und einem Bahnsteig stehen. Übrig blieben ein Gewirr aus geborstenem Beton, verbogenem Metall und herunterhängenden Kabeln. Menschen zogen Betonteile von blutenden Opfern weg, Passagiere zerbrachen Waggonfenster und kletterten aus dem Zug.

Hoboken liegt unmittelbar hinter der New Yorker Stadtgrenze im US-Staat New Jersey. Dessen Gouverneur Chris Christie sagte, das Todesopfer sei von Trümmerteilen auf dem Bahnsteig erschlagen worden. Die Mehrzahl der Verletzten habe sich im Zug befunden. 74 von ihnen seien im Krankenhaus. “Der Zug kam mit viel zu hoher Geschwindigkeit herein und die Frage ist: Warum?”, sagte Christie. Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, sagte, es müsse untersucht werden, ob es sich um technisches oder menschliches Versagen handele.

Blackbox soll aus den Trümmern geborgen werden

Zeugen sagten, sie hätten keine Bremsgeräusche gehört. Wie schnell der Zug war, konnten die Behörden zunächst nicht sagten. Bei der Einfahrt in den Bahnhof gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 16 Stundenkilometern. Die NTSB wollte eine der Blackboxen aus der Lok bergen, die Geschwindigkeit und Bremsbewegungen aufzeichnet.

Der Zug war nicht mit einer Technik ausgerüstet, die Schnellzüge automatisch abbremsen kann, wie es hieß. Die US-Eisenbahnen sollen zwar entsprechende Systeme installieren, die Umsetzung verläuft aber langsamer als erwartet. Die Frist wurde mehrfach verschoben, mittlerweile ist der Termin dafür der 31. Dezember 2018.

Lokführer arbeitete seit 29 Jahren für das Bahnunternehmen

William Blaine, Lokführer für Frachtzüge, sagte, er sei zum Zeitpunkt des Unfalls im Bahnhof gewesen und habe geholfen. Er habe den Lokführer zusammengesunken über seinen Bedieninstrumenten entdeckt. Der Mann arbeitete laut NTSB seit 29 Jahren für das Unternehmen. Im Führerstand des Zuges gab es keine Innenkamera, die zeigen könnte, was der Lokführer unmittelbar vor dem Unglück tat.

Hoboken ist von den Passagierzahlen her der fünftgrößte Bahnhof der Verkehrsgesellschaft NJ Transit. An Werktagen werden hier rund 15 000 Passagiere gezählt. Es ist die Endstation einiger Zuglinien und ein Umsteigebahnhof für viele Pendler, die nach New York City wollen.

(heif/ap)