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Unternehmen aus Bonn – Wirbel um Smoothie

“Oralverzehr – schneller kommst Du nicht zum Samengenuss”, “Bei Samenstau schütteln” und “2 Samenspender aus gutem Hause” – diese Werbesprüche, mit denen der Bonner Smoothie-Hersteller True Fruits derzeit auf ein neues Produkt aufmerksam machen will, kommen nicht bei jedem gut an. In München, Stuttgart und bei der Deutschen Bahn will man offenbar die Plakatwerbung in dieser Form nicht überall sehen – und hat True Fruits teilweise untersagt, auf den Flächen mit diesen Sprüchen zu werben.

Wer genau die Werbung in welcher Form verboten hat, ist allerdings unklar: Die Stadt München erklärte am Donnerstagmorgen auf Anfrage unserer Redaktion, nicht für das Verbot verantwortlich zu sein. “Wir haben damit nichts zu tun. Es sind einzelne Werbeflächenbetreiber, die das verboten haben, weil ihnen diese Werbung nicht gefallen hat. Aber das Unternehmen sagt, wir hätten es verboten”, so ein Stadtsprecher.

Klarer äußerte sich auf Anfrage unserer Redaktion die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG): Sie halte die Plakate für geschmacklos und habe deshalb die Plakatierung in ihren Bahnhöfen und Zügen untersagt. Wer im öffentlichen Raum “Nein” gesagt hat, bleibt dagegen vorerst offen.

Jedenfalls reagierte True Fruits öffentlichkeitswirksam: Statt die Poster gar nicht erst aufzuhängen, klebte man sie in München mit einem dicken Zensur-Balken über den Sprüchen an die Plakatwände. Für ein junges Unternehmen sei es ärgerlich, wenn eine Werbekampagne auf diese Weise verhindert würde, erklärte True Fruits dazu auf Anfrage. “Wer uns kennt, weiß, dass wir unser Produkt sehr ernst nehmen, uns selbst aber nicht. Und deshalb ist auch unser Marketing entsprechend aufgestellt”, sagt True-Fruits-Mitbegründer Nicolas Lecloux. 

Auch in München sind die Werbeplakate indes in unzensierter Form zu sehen – auf Privatgrundstücken, deren Besitzer die Reklame gestatten. 

In Stuttgart sind die Plakate ebenfalls nicht erwünscht

Ebenfalls nicht gewünscht ist die Werbung in Stuttgart. Dort hatte sich der Vermarkter Ströer vor der Plakatierung an das Büro für Gleichstellung gewandt. “Offenbar hatte Ströer selbst Bedenken bei den Werbesprüchen und ist deshalb aktiv auf uns zugekommen. Unser Gleichstellungsbüro hat dann die Empfehlung ausgesprochen, die Plakate nicht aufzuhängen, weil sie zweideutig sind und sexuelle Anspielungen machen, die das Büro nicht gutheißt”, sagte eine Sprecherin der Stadt Stuttgart auf Anfrage. Darauf entschied Ströer, in Stuttgart nicht zu plakatieren. Hätte sich Ströer nicht an die Empfehlung des Gleichstellungsauschusses gehalten, hätte sich automatisch das Rechtsamt der Stadt eingeschaltet und den Fall nochmals geprüft. 

In Bonn bei True Fruits kann man allerdings auch die Empfehlung des Gleichstellungsbüros nicht verstehen. “Ich weiß nicht, wo unsere Sprüche diskriminierend sein sollen”, sagt Lecloux. 

Ebenso nicht gewünscht sind die Plakate offenbar bei der Deutschen Bahn. Dort hat man nur die Plakate mit den Sprüchen “Besamt befruchtet” aufgehangen, heißt es von True Fruits. Dieses Plakat sei im Übrigen auch in München erlaubt worden. Die Deutsche Bahn äußerte sich auf Anfrage bislang nur wie folgt: Der Aufenthalt an den Bahnhöfen sollte für alle Reisenden so angenehm wie möglich gestaltet werden. “Wir behalten uns daher vor Werbung, die dazu geeignet ist, Gefühle oder Wertvorstellungen unserer Kunden zu verletzen, nicht zu genehmigen. Dies ist durch die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Deutschen Bahn für Plakatmedien gedeckt.”

Das Produkt, für das sein Unternehmen mit den Plakaten wirbt, ist übrigens ein Saft, der mit Chiasamen angemischt wird. Diese gelten als “Superfood”, enthalten viele Omega-3-Fettsäuren, Proteine und Vitamine und sind derzeit ein Ernährungstrend. Wie groß ihr gesundheitlicher Nutzen wirklich ist, ist allerdings umstritten.

Nicht die erste Provokation von True Fruits

Es ist derweil nicht das erste Mal, dass das Bonner Unternehmen mit provokanten Werbeaktionen auf sich aufmerksam macht. So warb  True Fruits vor etwa einem Jahr für sein Produkt “Blindverkostung”, eine schwarze Flasche, deren Inhalt nicht sichtbar war. Slogan: “Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber totaaal lieb ist, ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade.” . Damals musste sich der Safthersteller Sexismus-Vorwürfe anhören. Es scheint also durchaus Methode bei dem Unternehmen zu haben, mit seinem Werbemaßnahmen zu provozieren – und geschadet hat es offenbar bislang nicht.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes wurde das Plakat mit dem Wort “Oralverkehr” zitiert. Richtig ist aber natürlich “Oralverzehr”. Wir haben das korrigiert.

Article source: http://www.rp-online.de/nrw/panorama/true-fruits-aus-bonn-staedte-zensieren-anstoessige-smoothie-werbung-aid-1.6229452