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US-Reaktion auf den Tod von Fidel Castro

Es waren weise Worte, mit denen Barack Obama auf den Tod Fidel Castros reagierte. Er wisse, dass dieser Moment bei Kubanern mächtige Emotionen auslöse, dass er in Erinnerung rufe, wie Castro dem Leben einzelner Menschen, einzelner Familien und der kubanischen Nation insgesamt eine andere Richtung gegeben habe, erklärte der US-Präsident in einem schriftlichen Statement. Wie die enorme Wirkung dieses Mannes auf sein Volk und die Welt um ihn herum zu bewerten sei, darüber werde die Geschichte ihr Urteil fällen.

Es war Obama, der die Eiszeit im Verhältnis der USA zu der Insel vor ihrer Haustür beendete. Es war Obama, der diplomatische Beziehungen aufnahm, Amerikaner wieder nach Kuba reisen ließ und zuletzt Direktflügen nach Havanna oder Santa Clara grünes Licht gab. Es war Obama, der eine Strategie aus der Zeit des Kalten Krieges über Bord warf, indem er den Versuch, das Kuba Fidel und Raúl Castros zu isolieren, für gescheitert erklärte.

Tauwetter-Jahre unter US-Präsident Obama

Seine Regierung habe hart gearbeitet, damit die Beziehung zwischen beiden Ländern nicht von Differenzen bestimmt werde, sondern von dem, “was uns als Nachbarn verbindet”, wiederholte er am Wochenende das Leitmotiv der Tauwetterjahre. Wenn es den Blick in die Zukunft richte, solle das kubanische Volk wissen, dass es in den Vereinigten Staaten einen Freund und Partner habe.


Barack Obama besucht Kuba

FOTO: dpa, mr sh

Deutlicher formulierte es Amy Klobuchar, eine Senatorin aus Minnesota, die sich federführend für ein Ende des 1962 verhängten Handelsembargos einsetzt. Die Politik der Handelsschranken beruhe nicht auf gesundem Menschenverstand, sondern “auf den Geistern der Vergangenheit”, sagt die Demokratin. Castros Tod könnte symbolisch für einen Schlussstrich unter diese Vergangenheit stehen, und Symbolik sei zweifellos wichtig.

Ob Donald Trump die von seinem Amtsvorgänger betriebene Annäherung fortsetzen, abbrechen oder ihr Tempo verlangsamen wird, gehört zu den vielen offenen Fragen seiner bevorstehenden Präsidentschaft. Entsprechend aufmerksam wurde jede seiner Äußerungen registriert, selbst eine so lapidare wie die Twitter-Zeile, mit der er die Meldung zunächst kommentierte: “Fidel Castro ist tot!”.

In einem später verbreiteten Text charakterisierte er den Verstorbenen als “brutalen Diktator”, der sein Volk jahrzehntelang unterdrückt und ein Vermächtnis aus Erschießungskommandos, Diebstahl und unbeschreiblichem Leid, aus Armut und der Missachtung grundlegender Menschenrechte hinterlassen habe. Obwohl die von dem Autokraten verursachten Tragödien nicht ausgelöscht werden könnten, werde seine Administration alles tun, damit das kubanische Volk endlich seine Reise in Richtung Wohlstand und Freiheit antreten könne. Was die kryptischen Worte für die praktische Politik bedeuten, bleibt unklar, zumal sich der Kandidat Trump nie wirklich festlegte.

Trump kritisiert die Zugeständnisse an Kuba

Zu Beginn seines Wahlkampfs hatte der Milliardär, dem seit Längerem Interesse an Hotels und Golfplätzen auf Kuba nachgesagt wird, den 2014 vereinbarten Austausch von Botschaftern noch für richtig befunden. In der Endphase der Kampagne, um die Gunst konservativer Exilkubaner im wahlentscheidenden Bundesstaat Florida buhlend, sprach er dagegen von einem schwachen Abkommen, mit dem Obama dem Regime in Havanna zu viele Zugeständnisse gemacht habe.

Vor ein paar Tagen holte er den Rechtsanwalt Mauricio Claver-Carone in sein Übergangsteam, den Chef einer Lobbygruppe, die es strikt ablehnt, das Handelsembargo gegen die Karibikinsel aufzuheben, solange sich die politischen Verhältnisse dort nicht grundlegend ändern. Manche werten die Personalie als Signal dafür, dass Trump zumindest teilweise zurücknehmen könnte, was Obama an Lockerungen durchgesetzt hat.

Article source: http://www.rp-online.de/politik/ausland/us-reaktionen-auf-den-tod-fidel-castros-das-ende-des-tauwetters-aid-1.6424651