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USA und Karibik

Etwas abgeschwächt hat Hurrikan “Matthew” in der Nacht zum Samstag seinen Weg an der Ostküste Floridas fortgesetzt. Vor allem die Stadt Jacksonville im Norden rüstete sich für schwere Überschwemmungen. Die Zahl der Todesopfer durch “Matthew” in den USA stieg auf vier, wie der Sender CNN unter Berufung auf Behördenangaben berichtete. Rund eine Million Menschen waren zeitweise ohne Strom, Hunderttausende saßen am Freitagabend (Ortszeit) im Dunkeln.

In weiten Küstengebieten Floridas ließ der Sturm umgestürzte Bäume und heruntergerissene Stromleitungen zurück, Straßen waren mit Dachziegeln, Fensterscherben und anderen Trümmern übersäht. Allerdings bewahrheitete sich die Befürchtung, dass “Matthew” in den USA katastrophale Ausmaße annehmen könnte, bis zum späten Freitagabend nicht. Das lag vor allem daran, dass er nur am Land vorbeischrammte, also nicht direkt die Küste traf.

Gefahr schwerer Sturmfluten

Die größte Gefahr sahen Behörden in Springfluten, hohem Wellengang und massiven Überflutungen. So standen in Jacksonville und St. Augustine, der ältesten Stadt der USA, schon Stunden vor dem Vorbeiziehen des Sturms Küstenabstriche unter Wasser. “Matthew” war am Freitag zu einem Hurrikan der Kategorie 2 herabgestuft worden. Das bedeutet maximale Windgeschwindigkeiten von 175 Stundenkilometern – auch dies macht ihn jedoch zu einem Hurrikan mit großer Zerstörungskraft und der Gefahr schwerer Sturmfluten.

Meteorologen schlossen auch einen Landfall am Samstagmorgen (Ortszeit) nicht aus – dann möglicherweise in der Nähe der Stadt Charleston in South Carolina. Dort und in Floridas Nachbar-Bundesstaat Georgia waren mehrere hunderttausend Menschen aufgerufen worden, sich in Sicherheit zu bringen. Zu den Todesopfern in Florida zählen CNN zufolge ein Mann und eine Frau, die wegen medizinischer Notfälle ärztliche Hilfe brauchten, aber nicht mehr rechtzeitig von Rettungskräften erreicht werden konnten. Zwei weitere Frauen seien von umstürzenden Bäumen erschlagen worden.

Hunderte Tote in Haiti 

Zuvor hatte der Wirbelsturm in Haiti schwere Schäden hinterlassen. Die Hilfsorganisation Care nannte am Freitag unter Berufung auf das Innenministerium die Zahl von 478 Toten. Allein im besonders stark betroffenen Department Sud seien 283 Menschen getötet worden, berichtete der Radiosender Metropole unter Berufung auf den örtlichen Zivilschutz. Die Nationale Katastrophenschutzbehörde hatte am Donnerstagmittag (Ortszeit) 108 Todesopfer bestätigt und seither keine offizielle Mitteilung mehr herausgegeben. In verschiedenen Medienberichten war teils von deutlich höheren Opferzahlen die Rede.

In der Stadt Jérémie seien 80 Prozent der Häuser zerstört oder beschädigt, sagte Care-Mitarbeiterin Holly Frew am Freitag. Die Region war noch immer weitgehend vom Rest des Landes abgeschnitten.
Frew rechnete damit, dass die Opferzahl noch weiter steigt. Das Welternährungsprogramm brachte Lebensmittel in die Region. Die EU kündigte am Freitagabend an, weitere 1,5 Millionen Euro an Nothilfe für die Opfer auf Haiti bereitzustellen. Zudem reiste ein Expertenteam in die betroffenen Gebiete, um etwa bei der Wasser- und Gesundheitsversorgung zu helfen.

(dpa/jeku)