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Viersen – Boule

Die Besucher des Nachbarschaftsfestes kamen mit dem Schrecken davon, verletzt wurde niemand. Die herbeigerufene Polizei zog nach dem Vorfall Sprengstoffexperten aus Düsseldorf zu Rate. Die rückten am Abend an. Die verbliebenen sieben Kugeln, die zwischenzeitlich in einer Garage untergebracht worden waren, sollten in der Nacht abtransportiert und später gesprengt werden.

Doch wie können Boule-Kugeln explodieren? Das funktioniert nur bei weniger hochwertigen Exemplaren. Hochwertige Kugeln bestehen nur aus Metall, wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in der Schweiz berichtet. Wenn gespart werden muss, um die Kugeln preiswerter zu verkaufen, dann werden die Wände aus dünnem Metall hergestellt. Um trotzdem das erforderliche Gewicht zu erreichen, greifen die Hersteller dann zu Mörtel als Füllung. Wenn sich in dem Material Feuchtigkeit bildet, kann diese mit dem Mörtel korrodieren, es bildet sich ein Gasgemisch, das dann explodiert.

Boule-Kugel explodierte 2009 auch in der Schweiz

Genau erforscht haben das Phänomen schweizerische Werkstoffingenieure des Instituts Empa in Dübendorf. Und zwar, nachdem es im Sommer 2009 zu einer solchen Explosion gekommen war – bei einem Kugelset, das zu diesem Zeitpunkt in Originalverpackung in einem Schrank lagerte. Eine schweizerische Kaufhauskette hatte die Sets angeboten, zum günstigen Kauf oder als Prämie in einer Rabattaktion. Nach einem aufwändigen Rückruf machten sich die Ingenieure ans Werk.

Sie fanden heraus, dass gleich mehrere Probleme zusammengekommen waren. Der Sand war verunreinigt, enthielt starke Spuren von Eisen. Außerdem war er feucht. Feuchtigkeit und Eisen führen zu Korrosion. Wenn dann noch wenig oder kein Sauerstoff vorhanden ist, wie in einer geschlossenen Kugel, dann kann unter bestimmten Voraussetzungen Wasserstoff entstehen – ein hoch explosives Gas. Zudem konnten die Ingenieure bei ihren Forschungen an den ihnen vorliegenden Kugeln nachweisen, dass die Schweißnähte an den Kugeln schlecht ausgeführt waren und einen zu niedrigen Querschnitt aufwiesen.

Ob in Lobberich trotz des damals erfolgten Rückrufs noch Kugeln der Supermarktkette aus der Schweiz im Spiel waren, ist bislang nicht abschließend geklärt. Den Sprengstoffexperten der Polizei gelang es in der Nacht, die Kugeln ohne weitere Zwischenfälle abzutransportieren.

(hah)