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Zukunftsprojekt Rhein-Ruhr-Express

Der Rhein-Ruhr-Express wird kommen, das ist beschlossene Sache. Aber nicht alle Menschen in NRW sind begeistert von dem Schienenprojekt, das mit sieben Linien und einem 15-Minuten-Takt auf der Kernstrecke zwischen Köln und Dortmund bessere Anbindungen für Pendler im Rheinland, Ruhrgebiet und in Westfalen schaffen soll. Deshalb hatte die “Rheinische Post” rund 100 Leser ins eigene Konferenzzentrum eingeladen, um mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) und Bahnexperten über Vor- und Nachteile des RRX zu diskutieren. Groschek warb für das Großprojekt, das zwar 2018 mit ersten neuen Zügen startet, aber frühestens 2030 abgeschlossen sein wird. “Es gibt keine Alternative dazu, die Infrastruktur auszubauen”, sagte er. “Akzeptanz für den RRX bedeutet jedoch, die Bedürfnisse der Menschen ernst zu nehmen, die sich von dem Vorhaben bedroht fühlen. Es ist daher in jeder Hinsicht eine enorme Herausforderung.”

Tatsächlich zeigte der von RP-Bahnexperte Klaus-Peter Kühn moderierte Abend, dass es hinsichtlich des neuen Angebots etliche Sorgen und Bedenken gibt. Zunächst einmal bewegte die Frage, ob der Zugverkehr durch den RRX zuverlässiger wird. “Davon gehen wir aus, weil die Fahrzeuge zuverlässiger werden”, erklärte Martin Husmann, Vorstandssprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. So sei der Hersteller Siemens verpflichtet worden, die Züge 30 Jahre lang zu warten. Die neuen High-Tech-Züge verfügten sogar über ein System, das melde, bevor Elemente ausfallen, erläuterte Ronald F. Lünser, Geschäftsführer von Abellio Rail NRW, die einige der neuen Linien betreibt. Zudem würde laut Michael Kolle, technischer Projektleiter RRX, zwischen Düsseldorf und Köln ein zusätzliches Gleis gebaut, wodurch mehr Möglichkeiten entstünden, langsamere Züge zu überholen. “Das erhöht natürlich auch die Zuverlässigkeit”, sagte Kolle.

Leser kritisierten, dass der gesamte linke Niederrhein nicht vom RRX profitiere, gar weitgehend vom Fernverkehr abgeschnitten sei. Dieser Zustand sei in der Tat unerträglich, antwortete Groschek. Er hofft auf die Neuordnung des nationalen Fernverkehrsnetzes: “Ziel ist es, alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern anzuschließen.” Wann das sein wird? Das ist noch unklar. Auf jeden Fall, ergänzte Husmann, würde die Fläche nicht vergessen, man führe diesbezüglich auch Gespräche mit den Niederländern über eine bessere Zusammenarbeit.

Weitere Knackpunkte: Preise und Tarifstruktur. Wird der RRX teurer? “Erstmal nicht”, sagte Husmann. “Was in 15 Jahren ist, weiß ich nicht.” Der VRR-Chef räumte ein, dass gerade die Übergangstarife zu anderen Verkehrsverbünden noch nachjustiert werden müssten. Das wolle man bis Ende 2017 lösen. Davon, die Verkehrsverbünde zugunsten einer Landeseisenbahngesellschaft und übersichtlicherer Tarife aufzulösen, riet Groschek ab. “Das ist der falsche Zeitpunkt. Wir brauchen jetzt unsere gesamte Kraft, um den RRX umzusetzen.”

Bei vielen Anwohnern der RRX-Strecke sorgt auch für Unmut das Thema Lärmschutz. Dieser wird hauptsächlich durch Schallschutzwände gewährleistet, dazu untersuchen Gutachter auch angrenzende Häuser und entscheiden über lärmdämpfende Maßnahmen. Gerade Schallschutzwände seien innerstädtisch eine große Herausforderung, sagte Kolle. “Wir stehen dabei im Wettbewerb mit Bäumen, Parkplätzen und einer besseren Sicht, müssen aber dafür sorgen, dass es leiser wird.” Groschek bekräftigte, dass Verkehrslärm die hauptsächliche Störquelle für die Menschen sei, ist sich aber sicher, dass es an der RRX-Strecke künftig weniger Lärm als früher geben werde. “Man muss die Menschen nur frühzeitig mit in die Planungen einbeziehen, man darf ihnen nichts vormachen”, erklärte der Minister.

Nicht alle Anwesenden fühlten sich aber in ihrem Anliegen von der Bahn oder der Politik ernst genommen. Kritisiert wurden teils zu niedrige Schallschutzwände, teils falsche Berechnungen des vorhandenen Lärms. Bei den Maßnahmen werde die künftige Lärmbelastung hochgerechnet, erklärte Kolle, nicht der Ist-Zustand gemessen. Thematisiert wurde auch die von der Bürgerinitiative Angermund vorgeschlagene Einhausung des Teilabschnitts, der durch den Düsseldorfer Stadtteil führt. Kolle: “Wir gucken uns das gerade an und präsentieren im nächsten Jahr die Vor- und Nachteile einer Variante mit Einhausung und einer mit Wänden.” Sein Versprechen: “Wer jetzt mit offenem Fenster schläft, kann es auch, wenn der RRX vorbeifährt.”

Auch DB-Bahnhofschef Martin Sigmund, DB-Regio-Chef Heinrich Brüggemann und Rheinbahn-Vorstandssprecher Michael Clausecker mussten etliche Fragen beantworten. Diese zum Beispiel: Wie viele Fahrräder passen in den RRX? Theoretisch wohl an die 30, in den Hauptverkehrszeiten eher keins.

Quelle: RP