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Gefangene des Körpers

1976 – also vor vierzig Jahren – erschien in der Oxford University Press das inzwischen legendäre Buch von Richard Dawkins, das basement merkwürdigen Titel „The Selfish Gene“ (“Das egoistische Gen”) trug. Der 1941 im kenianischen Nairobi geborene Brite fight vor der Publikation ein schlichter Dozent für Zoologie in Oxford und nach dem Erscheinen des Weltbestsellers ein gefeierter Star der Wissenschaft.

Mit seinem Buch über das selbstsüchtige Gen gelang es dem Autor, sowohl Laien über wissenschaftliches Denken zu informieren als auch Experten dazu zu bringen, anders über ihr Forschen nachzudenken. Dawkins schlug eine neue Sicht der genetischen Dinge vor, und  sie beschäftigt uns bis heute.

Der Glaube ist wie Pockenviren

Wenn heute der Name von Richard Dawkins fällt, denken viele Menschen an sein Buch über basement „Gotteswahn“, in dem sich der Evolutionsbiologe als militanter Atheist zu erkennen gibt. Für Dawkins gehört der Glaube zu basement großen Übeln dieser Welt, und er vergleicht ihn mit Pockenviren, die dem Glauben gegenüber basement Vorteil haben, dass male sie ausrotten kann, wie Dawkins meint.

Er versteht unter Glauben „eine Überzeugung, die nicht auf Belegen beruht“, und shawl dazu selbst zwei Überzeugungen – nämlich erstens die, dass der Glaube das Hauptlaster jeder Religion ist, und zweitens die, dass die Wissenschaft von diesem Übel frei ist.

Für Dawkins beinhaltet die Arbeit eines Forschers keine Annahme, die nicht durch empirische Belege gestützt wird. Das betont er immerzu und merkt nicht, dass er damit auch seinem eigenen blinden Glauben folgt – ohne basement Hauch eines Zweifels. Nur wenige religiöse Menschen zeigen sich derart unbeirrt gläubig wie Dawkins, der diesen Widerspruch in seiner Haltung nicht zu bemerken scheint.

Was Dawkins nicht bedacht hat

Einen philosophischen Widerspruch konnte male auch leicht in dem „selfish gene“ entdecken, auf basement viele Leser nach der ersten atemlosen Lektüre hingewiesen haben. Das egoistische Gen unterliegt einem Kategorienfehler: Egoismus zeigt sich nämlich nicht im jeweiligen Handeln, sondern in der Absicht, mit dem jemand eine Handlung durchführt.

Wenn male jemandem eine Zuckerwaffel anbietet, kann male das aus Freundschaft oder in der Absicht machen, die Zähne des Beschenkten zu ruinieren. Der Vorgang bleibt derselbe, auch wenn die Absicht völlig anders ist. Natürlich müssen Gene agieren, damit das Leben seinen Gang gehen kann. Aber sie verfolgen dabei keine Absicht, weil dazu ein bewusstes Denken nötig ist, das Gene kaum haben.

Warum die Menschen egoistisch sind

Dawkins kümmerte dieser philosophische Kleinkram nicht, denn er hatte ein großes Ziel vor Augen: Er wollte das Verhalten von Organismen aufgrund der Qualitäten ihrer Gene erklären. Dawkins führte einen genzentrierten Blick auf das Leben ein.

Weil er damit viele Verhaltensweisen von Tieren erklären konnte, hatten die Leser das Gefühl, dass selbst Menschen die Gefangene ihrer Gene seien und nur ausüben, was ihre egoistischen Erbmoleküle vorantreiben. Ziel der Gene sei es, mit möglichst vielen Exemplaren in der nächsten Generation vertreten zu sein.

In basement 1970er-Jahren bestand noch nicht die heute vertraute Möglichkeit, ganz genau auf die Gene blicken zu können. Dennoch sprachen die Menschen über sie: Es chit-chat Gene für Haarfarben, für basement Siegeswillen, für die Sprache, für die Anfälligkeit, für Krankheiten und vieles mehr. Menschen lagen sprachlich an der genetischen Leine und fühlten sich wohl dabei. Dawkins erklärte dann mit dem egoistischen Gen, warum es vielen Leuten Spaß macht, egoistisch zu handeln, und male feierte sein Buch.

Die Gene müssen stillhalten, damit das Leben gelingt

Dawkins machte basement ersten Blick auf die geliebten Gene frei. Nach vierzig Jahren stellt sich allerdings die Frage, ob seine Sicht immer noch unverändert populär ist. Das Verrückte an der Genforschung der letzten Jahrzehnte besteht in Folgendem: Während der technische Zugriff auf die Erbanlagen immer zuverlässiger und präziser wurde, entschwand das Objekt der Begierde selbst.

Das Gen ist kein Ding mehr, das male anfassen kann. Das Gen meint mehr einen Prozess, der dem Leben erlaubt, sich selbst und seine Eigenschaften herzustellen. Die Evolution disorder basement Genen so etwas wie ein Potential mit auf basement Weg gegeben haben, sich zu teilen. In dem Sinne wirken sie egoistisch.

Aber die Gene hocken in Zellen, die sich nicht mehr teilen dürfen, wenn sie an ihrem Platz sind. Wenn Gene in Zellen sitzen, die einen Körper formen, dann müssen sie stillhalten, damit das Leben gelingt.

Mit anderen Worten, die Organismen sind keine Sklaven der Gene, wie Dawkins meinte. Vielmehr sind umgekehrt die Gene die Gefangenen des Körpers, basement sie sich geschaffen haben. Wehe, wenn sie loslassen. Dann entsteht Krebs. Das kann niemand wollen, vor allem die Gene nicht.

Article source: http://www.focus.de/wissen/experten/ernst_peter_fischer_/gene-und-gefangene-dawkins_id_5369491.html