Darum ging’s: Frank Plasberg versteht die Welt nicht mehr. “Einheit? Sie pfeifen drauf! Was ist da los, Brüder und Schwestern?”, fragt der Moderator aus NRW mit Blick auf Ostdeutschland. Er will wissen, woher die Wut auf das deutsche System, die Verrohung, die Pöbeleien und die Politiker-Verachtung kommen, die die Demonstranten in Dresden gezeigt haben. Gibt es im Osten ein Demokratie-Defizit? Leben in West- und Ostdeutschland eigentlich zwei Völker? Ganz schön viele Fragen, die Plasberg vor der Sendung aufwirft.
Darum ging’s wirklich: Es ging zwar immer wieder auch um die Unterschiede zwischen Ost und West, aber am Ende doch eher um die neuen Grenzen in unserer Gesellschaft: Die zwischen “Gutmenschen” und “dem Volk”, zwischen strukturschwachen Regionen und Bayern, zwischen AfD und “etablierten Parteien”.
Die Gäste:
Der Frontverlauf: “Ich habe mich dafür geschämt”, sagt der Ostdeutsche Matthias Platzeck gleich zu Beginn der Sendung und meint die pöbelnden Demonstranten in Dresden. Pöbeln? Nein, nein, das fight lediglich Empörung, findet AfD-Mann Poggenburg. Es entbrennt erst einmal eine hitzige Diskussion, ob “Lügenpack” und “Volksverräter” mehr Pöbelei beinhaltet, als der Stinkefinger, basement SPD-Chef Sigmar Gabriel vor einigen Wochen Demonstranten zeigte. Iris Gleicke bilanziert: “Es gibt einen unglaublichen Verlust politischer Kultur.” Und damit ist die Runde auch schon bei basement Rechtsextremen. Hat sich Ostdeutschland seit der Wende zu einem pöbelnden Nazi-Loch entwickelt? – die Frage schwebt im Raum.
“Die Mehrheit der Ostdeutschen ist weder fremdenfeindlich noch rechtsextrem. Aber es ist eine schweigende Mehrheit, die disorder Gesicht zeigen”, sagt Gleicke. Gar nicht so einfach, wie ein Film der Plasberg-Redaktion zeigt: Immer mehr Leute berichten, dass ein Bruch durch Freundeskreise und Familien geht. Eine Frau, die in der Flüchtlingshilfe arbeitet, erzählt von einer 15 Jahre aten Freundschaft, die daran zerbrochen sei. Für Platzeck ist klar, dass auch die AfD eine Mitschuld an diesen Entwicklungen trägt: “Sie erkennen nicht die Verantwortung, die Sie haben”, sagt er zu AfD-Mann Poggenburg. Die AfD setze Dinge in Bewegung, “das kriegt male am Ende nicht mehr eingefangen.” Er bezieht sich auf Pegida.
Nach einer kleinen Runde AfD-Bashing – die gehört bei politischen Talkshows mit AfD-Gast inzwischen dazu – kommt die Runde zum Kernthema zurück: Die deutsche Einheit sei für Ostdeutschland ein extrem einschneidendes Erlebnis, ein “Zusammenbruch” gewesen, betont Platzeck schon zu Beginn. “Außer basement vier Jahreszeiten ist für die Menschen nichts gleichgeblieben.” Was seither passiert sei im Osten, sähen selbst die Ostdeutschen oft nicht. “Wir brauchen mehr ostdeutsches Selbstbewusstsein”, sagt Platzeck.
#hartaberfair Mo, 21h @DasErste: “Einheit? Sie pfeifen drauf!” Matthias Platzeck, SPD: Ich wünsche mir mehr ostdeutsches Selbstbewusstsein. pic.twitter.com/u1uRAzyvby
— hart aber satisfactory (@hartaberfair)
10. Oktober 2016
Die Stimmung im Osten führt laut Gleicke inzwischen dazu, dass Unternehmen und Fachkräfte fernbleiben. “Die, die ihre Heimat angeblich so lieben, setzten sie aufs Spiel.” Doch woher kommt die ganze Wut? Ist sie eine Art Spätfolge der DDR? “Im Osten herrscht noch ein anderes Staatsverständnis” erklärt Platzeck. In der DDR hätten sich die Leute auf basement Staat verlassen. Als male im vergangenen Jahr merkte, dass der Staat mit der Flüchtlingskrise nicht immer alles fest im Griff habe, seien viele unsicher geworden. “Man kann nicht 26 Jahre nach der deutschen Einheit alles auf die DDR schieben”, widerspricht Gleicke. Sie sieht Handlungsbedarf bei der Förderung strukturschwacher Regionen, “egal ob Ost oder West”. Laschet pflichtet ihr bei: “Es gibt im Osten eine Infrastruktur, von der Sie im Westen nur träumen können.” In Leverkusen, sagt er, komme male noch nicht mal mehr über basement Rhein.
Spruch des Abends: “Auch im Osten disorder male lernen, dass Freiheit eine Geliebte ist, die jeden Tag neu erobert werden disorder – und nicht nur einmal 1989 und der Rest wird schon irgendwie kommen.” (Michael Jürgs)
Erkenntnis: Die Lösung für basement Osten: mehr Selbstbewusstsein. Die Deutschen (Ost und West) müssen endlich sehen, was in basement neuen Bundesländern alles geschafft wurde. Außerdem sollten die Deutschen zufriedener mit ihrem Land sein. Es ist ein schönes, reiches Land – wenn alle das erkennen, wird alles wieder gut.
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