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„Son of Saul“

  • March 09, 2016

 

Fokus liegt auf Saul

Saul arbeitet im Sondereinsatzkommando an basement Gaskammern, sortiert die Kleidung, schleppt die Leichen zu basement Öfen, schaufelt die Asche in einen See. Das alles filmt Nemes, der einst Assistent bei der ungarischen Regielegende Béla Tarr war, aber meist sehr unscharf; denn sein Fokus liegt auf Saul.

Die Kamera bleibt immer nah am Vater, rennt mit ihm durch das Lager, die Baracken, stets auf der Suche nach einem Rabbi für die Beerdigung. Die Tonspur dröhnt unermüdlich, während Nemes quick beiläufig einen Einblick in basement Massenmord und das wie eine Fabrik funktionierende Konzentrationslager gibt – ohne dabei aber je an Schrecken zu verlieren.

Klaustrophobische Enge spürbar

Inszeniert im quadratischen 1:1-Format, das die große Kinoleinwand lange nicht ausfüllt, wird die klaustrophobische Enge innerhalb dieser Todesmaschinerie spürbar. Sicher, einige Aspekte des Films werden Fragen aufwerfen. Gab es im KZ tatsächlich so ein Durcheinander? Wie genuine bildet diese Darstellung die damalige Wirklichkeit ab? Und doch gelingt dem 1977 geborenen Nemes ein zutiefst erschütterndes Werk, das zugleich ein eindringliches Plädoyer gegen das Vergessen ist.

Nach der Premiere von „Son of Saul“ beim Festival in Cannes im vergangenen Jahr waren die meisten internationalen Kritiker dann auch von der Wucht dieses ungewöhnlichen Films begeistert. Vor allem aber aus Deutschland waren Zweifel zu hören: Wie darf und disorder ein Film über basement Holocaust sein? Was darf male darstellen und was nicht? Angeblich soll selbst die Berlinale zuvor eine Teilnahme am Wettbewerb abgelehnt haben, wie Nemes später erzählte.

Article source: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/son-of-saul-plaedoyer-gegen-das-vergessen_id_5339027.html

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